Sonderbeilagen
Serie im Börsenkurier:
Ausgabe Nr. 43, 23.10.2008: Wohin die Hilfe fließt (Leitartikel) >
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Ausgabe Nr. 39, 25.9.2008: Was sagen die Parteien? (Leitartikel) >
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Die Sonderbeilage wird vom Börsenkurier zur Verfügung gestellt und redaktionell betreut. Die ksoe ist dabei in einem Beirat eingebunden.
WOHIN DIE HILFE FLIESST
Profitieren vom Stützungspaket auch die Richtigen?
Mit 700 MrdUSD die Banken zu unterstützen, war wichtig. Aber man hätte das Geld auch anders einsetzen können. Es ist notwendig, grundsätzliche Fragen über Sinn und Ziel der (Finanz-)Wirtschaft zu stellen.
Die Bereitstellung von 700 Mrd USD zur Stützung der stark angeschlagenen amerikanischen Finanzwirtschaft war letztlich die Wahl des geringeren Übels. Zwar müssen nun die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für das Versagen der Manager und Politiker bezahlen und mit Recht wird das von vielen als ungerecht empfunden. Hätte die US-Regierung das Geld jedoch nicht bereitgestellt, wäre die Folge wahrscheinlich der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems gewesen. Das zu verhindern, war wichtig und richtig. Dennoch bleiben einige Fragen offen.
Hätte es nicht mehr gebracht, anstelle der Banken jene Millionen Menschen finanziell zu unterstützen, die nun ihre Häuser verlieren? Diese in die Lage zu versetzen, ihre Kredite bedienen zu können, würde das Problem an seiner Wurzel packen und aus faulen Krediten wieder normale Kredite, aus überschuldeten Existenzen wieder Hausbesitzer machen.
Oder: warum müssen nicht die Banken und ihre Manager für den von ihnen verursachten Schaden aufkommen? Sollen die Gewinne, die die Banken in einigen Jahren hoffentlich machen werden, wieder in Bonuszahlungen und Dividenden aufgehen, während das 700 Mrd-Rettungspaket von der Allgemeinheit zu tragen ist?
Darüber hinaus muss es zu denken geben, dass mehr oder weniger über Nacht über 1.000 Mrd.USD für die Rettung von Bankhäusern verfügbar waren, während jene 30 Mrd.USD, welche die Welternährungsorganisation zur wirksamen Bekämpfung des Hungers auf der Welt benötigt, nicht und nicht aufzutreiben sind. Diese unverblümte Geringschätzung menschlichen Leids gegenüber ökonomischen Interessen ist ein moralischer Skandal und wirft die Frage auf, ob diese Krise nicht auch dazu genutzt werden muss, über den Sinn von Wirtschaft einmal umfassender nachzudenken. Beim 700MrdUSD-Paket darf es nicht bleiben. Es kann nur der Anfang eines umfassenden Nachdenkprozesses über die Ziele der (Finanz-)Wirtschaft und daraus abzuleitender Reformschritte sein.

