Sonderbeilagen
Serie im Börsenkurier:
Ausgabe Nr. 4, 22.01.2009: Natur- und sozialverträgliche Immobilienanlagen (Leitartikel) >
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Ausgabe Nr. 50, 11.12.2008: Finanzielle Ausgrenzung vermeiden (Leitartikel) >
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Ausgabe Nr. 47, 20.11.2008: Guter und gerechter Lohn (Leitartikel) >
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Ausgabe Nr. 43, 23.10.2008: Wohin die Hilfe fließt (Leitartikel) >
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Ausgabe Nr. 39, 25.9.2008: Was sagen die Parteien? (Leitartikel) >
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Die Sonderbeilage wird vom Börsenkurier zur Verfügung gestellt und redaktionell betreut. Die ksoe ist dabei in einem Beirat eingebunden.
NATUR- UND SOZIALVERTRÄGLICHE IMMOBILIENANLAGEN
Immobilieninvestments gibt es in sicherer und spekulativer Ausprägung
Immobilien als Wertanlage haben Tradition. Dem gegenüber bleiben aber die ökologischen und sozialen Aspekte einer Geldanlage in Immobilien weitgehend unberücksichtigt.
Auch wenn man beim Thema Geldanlage zuerst immer an Banken und Börsen denkt: Immobilien spielen bei der diversifizierte Anlage von Geldvermögen schon lange eine bedeutende Rolle. Ein Investment in Immobilien gilt gemeinhin als konservativ und langfristig ausgerichtet, kann aber auch hochriskant sein. Der Bogen eines Immobilieninvestments ist nämlich sehr breit gespannt, von der Eigentumswohnung bis hin zu einer Beteiligung an einem Shopping-Center in Usbekistan. Tatsächlich ist es notwendig, die Risiko- und Renditeaspekte eines Immobilieninvestments ebenso abzuklären, wie das bei Aktieninvestments der Fall ist. So wie man als AktionärIn eine Gewinnbeteiligung bzw. Dividende erhält, können mit Immobilien laufende Einnahmen aus Vermietung- und Verpachtung erzielt werden. Darüber hinaus hoffen ImmobilienbesitzerInnen – ähnlich wie AktionärInnen – auf eine kontinuierliche Wertsteigerung ihrer Anlage. Umgekehrt unterliegen Immobilien genauso wie Aktien konkreten Risiken und eine Immobilie kann sehr schnell an Wert verlieren, wenn sich die Rechtslage ändert oder Umweltschäden eintreten.
Immobilienbesitz hat eine ethische Dimension …
Von daher wird auch klar, dass ökologische und soziale Faktoren auf die Wertentwicklung einer Immobilie Einfluss haben. Davon abgesehen ist es aus ethischer Perspektive grundsätzlich erforderlich, Immobilieninvestments in Hinblick auf ihre Natur- und Sozialverträglichkeit ebenso zu hinterfragen wie Aktienengagements. Die mit Immobilien erzielte Rendite ist ja ethisch nicht neutral, vielmehr geht es um die Frage, welche Auswirkungen der Prozess der Renditeerwirtschaftung – sowohl bei Aktien, als auch bei Immobilien – auf Gesellschaft und Umwelt hat. Was sind nun zentrale ökologische und soziale Kriterien einer Immobilienveranlagung?
… sowohl in Hinblick auf ökologische Bauweisen …
In ökologischer Hinsicht geht es vor allem um energetische bzw. stoffliche Fragestellungen sowie um die Auswirkungen von Bauwerken auf die Umwelt. Niedrigenergiebauweisen sollten in Zeiten des Klimawandels ebenso eine Selbstverständlichkeit sein wie die Verwendung umweltgerechter Baumaterialien. Der Wunsch, ein Haus im Grünen zu haben ist verständlich, jedoch nicht immer in Einklang zu bringen mit Naturschutz- und Gemeinwohlinteressen. Dass ein luxuriöses Hotel inmitten eines idyllischen Nationalparks vermutlich eine hervorragende Auslastung hat, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Hotel als solches ebenso wie seine infrastrukturelle Erschließung einen massiven Eingriff in den ökologischen Kreislauf bedeuten kann.
… als auch in Bezug auf soziale Gerechtigkeit.
Soziale Kriterien einer Immobilienveranlagung beziehen sich einerseits auf den sozialverantwortlichen Herstellungsprozess und andererseits auf die sozialverträgliche Nutzung einer Immobilie. Dass Immobilienrenditen zu Lasten niedriger Sozialstandards und Löhne erwirtschaftet werden, ist aus ethischer Perspektive mehr als bedenklich. Deshalb ist darauf zu achten, dass bei der Errichtung einer Immobilie Unternehmen tätig sind, die gegenüber ihren MitarbeiterInnen, Subunternehmen und Zulieferern einen gerechten und fairen Umgang pflegen. Bestimmte Praktiken bei der Immobilienverwertung, wie etwa das Hinausdrängen von Vormietern oder die Verrechnung überhöhter Betriebskosten und Mieten zum Zwecke der Renditemaximierung, verweisen auf leider gängige, aber ethisch abzulehnende Vorgehensweisen.
Ethisch verantwortlich zu handeln bedeutet, die Motive und Folgen einer Handlung in Hinblick auf ihre ökologische und soziale Dimension hin zu reflektieren und daraus entsprechende Handlungsnormen abzuleiten. Die ethische Reflexion von Immobilieninvestitionen trägt dazu bei, dringende ökologische und soziale Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.
(Klaus Gabriel, Uni Wien)

