Sonderbeilagen
Serie im Börsenkurier:
Ausgabe Nr. 21, 21.5.2009: Wann kommt es zum Kipp-Effekt? (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 21/2009/06 >
Ausgabe Nr. 17, 23.4.2009: zu Nahrungsmittel u.a.
download gesamte Sonderbeilage 17/2009/06 >
Ausgabe Nr. 13, 26.3.2009: Reform für Finanzmarktarchitektur (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 13/2009/06 >
Ausgabe Nr. 8, 19.02.2009: Wirtschaften jenseits der Renditemaximierung (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 8/2009/06 >
Ausgabe Nr. 4, 22.01.2009: Natur- und sozialverträgliche Immobilienanlagen (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 4/2009/06 >
Ausgabe Nr. 50, 11.12.2008: Finanzielle Ausgrenzung vermeiden (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 50/2008/06 >
Ausgabe Nr. 47, 20.11.2008: Guter und gerechter Lohn (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 47/2008/06 >
Ausgabe Nr. 43, 23.10.2008: Wohin die Hilfe fließt (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 43/02>
Ausgabe Nr. 39, 25.9.2008: Was sagen die Parteien? (Leitartikel) >
download gesamte Sonderbeilage 39/01 >
Die Sonderbeilage wird vom Börsenkurier zur Verfügung gestellt und redaktionell betreut. Die ksoe ist dabei in einem Beirat eingebunden.
Noch beachten die AnlegerInnen Nachhaltigkeitskriterien viel zu wenig: WANN KOMMT ES ZUM KIPP-EFFEKT?
Die letzten Monate waren auch für SRI-Anleger (Socially Responsible Investment) ernüchternd. Investmentprodukte, die SRI-Konzepte umsetzen, haben seit Beginn der Kirse gleich schwer, bisweilen sogar noch schlimmer gelitten.
Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn der Gesamtmarkt runter geht, werden praktisch alle börsenotierten Unternehmen nach unten gezogen - gleichgültig, ob sie nachhaltig agieren oder nicht.
Rund 98% der Anleger achten nicht auf Nachhaltigkeitskriterien, deshalb werden Unternehmen, die besonders stark auf Corporate Governance, Umweltverträglichkeit, soziale Verantwortung etc. fokussiert sind, genau so abgestraft wie der Gesamtmarkt", analysiert Christoph Butz, Nachhaltigkeitsexperte bei Pictet Asset Management. Wobei Butz mit diesen rund 2% Anleger meint, die gezielt systematische Nachhaltigkeitsstrategien verfolgen.
"Wenn man großzügig ist und neben den eigentlichen SRI-Fonds, die nach dem Best-in-class-Prinzip funktionieren (aus allen Sektoren werden Unternehmen ausgewählt, die sich anhand einer Vielzahl von Kriterien als besonders nachhaltig erwiesen haben) auch solche Anlagevehikel hinzuzählt, wo vielleicht nur eines oder ganz wenige Ausschlusskriterien zur Anwendung kommen (etwa Waffenindustrie, Tabak oder Pornografie), dann beläuft sich der Nachhaltigkeitsanteil des globalen Investmentvolumens vielleicht auf 8 bis 10%. Es gibt Studien, die besagen, dass ab einem Anteil von rund 30% nachhaltigen Investmentvolumen ein gewisser Kipp-Effekt auftritt: Dann würden börsenotierte Unternehmen vermehrt auf nachhaltige Wirtschaftsweise umstellen, weil die Nachfrage der nachhaltig orientierten Investoren so einen Umstieg auch finanzielle attraktiv machen würde."
Nun sind wir von diesen 30% noch weit entfernt - für Butz keine deprimierende Diagnose, weil auch 1 bis 2% nachhaltig agierender Anleger einen großen Effekt ausüben können: "Anliegen wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit usw. sind ja unumstritten und Unternehmen können sich schon alleine aus Image-Gründen diesen Forderungen nicht verschließen."
Butz zeigt sich weiters überzeugt, dass die aktuelle Finanzkrise SRI-Investments den Rücken stärken wird. Denn die neu gesteckten politischen Rahmenbedingungen entsprächen in hohem Maße den Kriterien, die nachhaltige Investoren bereits seit Jahren beachten: "Themen wie verbesserte Corporate Governance, um nur ein Beispiel zu nennen, werden jetzt von der Politik stärker in Angriff genommen. Das hilft Unternehmen, die diese Entwicklungen schon seit längerem antizipiert haben und schon entsprechend agieren."
Vom Börsen-Kurier auf weitere Auswirkungen der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Nachhaltigkeits-Branche angesprochen, sieht Butz folgende interessante Trends:
"Wenn wir etwas zurückblicken, so haben breit diversifizierte Fonds nach dem Best-in-class-Prinzip bis zum Ausbruch der Krise etwas an Schwung verloren. Themenfonds (z.B. Wasser, Klimawandel, erneuerbare Energien etc.) waren mehr in Mode. Aufgrund der Krise werden die Best-in-class-Fonds wieder mehr Rückenwind erhalten, weil verstärkt ins Bewusstsein gerückt ist, dass das Thema Nachhaltigkeit für alle Branchen entscheidend ist. Das beste Beispiel bietet hier wohl der Bankensektor."
Das Thema Nachhaltigkeit sollte somit in allen Wirtschaftsbereichen auf dem Vormarsch sein.
(hk)

