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Zug fährt durch die Landschaft

 


Im Gespräch mit Christoph Mülleder

Wie bitteschön können wir gerecht reisen?

 

Der Sommer steht vor der Tür, und wir stellen uns die Frage: Wie können wir verreisen, ohne Unmengen negativer Spuren zu hinterlassen? Diese und andere Fragen beantwortet uns Dr. Christoph Mülleder, Gründer von Weltanschauen, dem österreichischen Anbieter für sozial-ökologische Reisen.

 

Christoph, welchen Blick auf das Reisen hast Du ganz allgemein?

Tourismus ist einer der dynamischsten Sektoren weltweit und die wichtigste Devisenquelle in jedem dritten (sogenannten) Entwicklungsland. Doch die Gewinne kommen nicht immer vor Ort an – die Folgen des Klimawandels und soziale Schäden hingegen schon. Tourismus kann Mensch und Natur zerstören, aber auch Armut bekämpfen und Motor für positive Entwicklung sein.

 

Wie kann man in diesem Spannungsfeld als Einzelperson eine gute Reiseentscheidung fällen? Das Angebot ist so riesig, und aus einem Gefühl der Überforderung entscheidet man sich verständlicherweise manchmal für den „bequemsten“ Weg.

Es braucht Leuchttürme, an denen man sich orientieren kann. Das sind meiner Meinung nach etwa qualitativ hochwertige Labels, die helfen, Reiseentscheidungen zu treffen, die sich nicht nur gut anfühlen, sondern auch gesichert nachhaltig sind.

 

Welches Label ist das für dich?

Das ist z. B. die Travelife-Zertifizierung. Travelife ist ein international anerkanntes Trainings-, Management- und Zertifizierungsprogramm für Nachhaltigkeit im Tourismus. Auch das österreichische Umweltzeichen hat einen sehr hohen Standard. Sind Reiseveranstalter zertifiziert, findet sich dieses Zeichen meistens auf der ersten Seite des Webauftritts.

Wir haben im August 2023 die höchste Stufe Travelife Certified erreicht. Im Februar 2026 haben wir erfolgreich die Rezertifizierung durchgeführt.

 

Und darüber hinaus?

Ein weiteres Kriterium, das jeder und jede von uns anwenden kann, betrifft die Mobilität: Welches Verkehrsmittel wähle ich aus? Denn eines ist ganz klar: Keine andere Art der Fortbewegung verbrennt so viel Energie wie das Fliegen. Der Luftverkehr ist heute weltweit für fünf Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich und wächst jedes Jahr um vier bis fünf Prozent (Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)).

Orientiert man sich an diesen beiden Faktoren, wird das Angebot schon deutlich übersichtlicher. Weltanschauen verfolgt zum Beispiel die Politik, dass wir 90 % unserer Destinationen terran erreichen. Die restlichen 10 % fliegen wir (das sind unsere Fernreiseziele, denn in Europa fliegen wir nicht), leisten allerdings einen Klimaschutzbeitrag für ein Projekt der Klimaschutzplattform BOKU x Caritas. Über diese Plattform werden hochwertige Klimaschutzprojekte im Globalen Süden ermöglicht, die aber nicht nur einen Beitrag zur Vermeidung von CO2-Emissionen leisten, sondern auch helfen, Armut zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Die Projekte werden von der Caritas umgesetzt. Die wissenschaftliche Qualitätssicherung übernimmt die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die alle Projekte mit fundierter Forschung begleitet und prüft. Das Projekt unserer Wahl ist "Saubere Energie und Ernährungssicherheit in Norduganda".

 

Okay, das ist also der große Rahmen, in dem wir uns bewegen. Wenn man sich für eine Reise entschieden hat, worauf könnte bzw. sollte man beim Programm noch achten? 

Da gibt es natürlich wiederum viele größere und kleinere Themen, aber aus meiner Sicht lassen sich drei Bereiche definieren: die ökologische, die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit.

Das betrifft vor allem die Mobilität bei der An- und Abreise sowie natürlich vor Ort. Am besten ist es, mit den Öffis zu reisen. Für größere Reisen ist das Interrailticket meist eine tolle Option. Die ökonomische Nachhaltigkeit bemüht sich um die Unterstützung von lokalen, kleineren Betrieben, Slow-Food-Initiativen, echtem Handwerk und Ähnlichem; bei der sozialen Nachhaltigkeit geht es um Bestechung, Korruption, Kinderrechte, Diskriminierung, Menschenrechtsverletzungen usw. Wir bei Weltanschauen versuchen, in diesem Zusammenhang lokale Organisationen zu besuchen, die sich mit den aktuellen Problemen des Landes auseinandersetzen. So waren wir z. B. gerade in Bukarest und haben Active Watch besucht. Das ist eine NGO, die Medien beobachtet und politische Einflussnahme transparent macht. Unser Gespräch fand kurz vor der Entscheidung über den Misstrauensantrag des Premierministers statt und war natürlich hochinteressant. So ein Treffen ist das Steinsalz in jeder Bio-Gemüsesuppe.

 

Das klingt alles recht nachvollziehbar und interessant. Du hast uns sozusagen ein optimales Reiseszenario geschildert. Welche Reisen im Tourismussektor sind das Gegenteil, also weit weg von Nachhaltigkeit?

Urlaubsreisen mit einem Kreuzfahrtschiff oder ein Wochenendtrip mit dem Flieger! Und das ist jetzt nicht nur meine persönliche Meinung. Das zeigen auch alle objektiven Studien.

 

Danke für das Gespräch!
 


Weitere Informationen: 

Dr. Christoph Mülleder ist Geschäftsführer von WELTANSCHAUEN. Auf www.weltanschauen.at findet man unsere aktuellen Reisen sowie Hintergrundinfos zu nachhaltigem Tourismus. Dort kann sich auch zum Newsletter von Weltanschauen anmelden, in dem wir ca. alle 6 Wochen über Neuigkeiten informieren. Die NGO respect bietet ebenfalls viele Infos zu nachhaltigem Tourismus.

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