
Folge 42
Gibt es ein Recht auf Erholung am See, Stephanie Drlik?
Über öffentliche Zugänge, Privateigentum und die Zukunft der österreichischen Seen
"Ich würde mir von der österreichischen Politik wünschen, dass sie – nicht nur was die Seen, sondern auch, was unsere gesamte Landschaft betrifft – es besser schafft, Visionen herzustellen und Perspektiven zu geben. Und an den Seen sind wir momentan an einem Punkt, wo es uns ein bisschen an Visionen fehlt, denn es geht jetzt schon so lang schief, und jetzt ist irgendwie alles privatisiert, und man fragt sich schon manchmal, was machen wir jetzt? Die paar Flächen, die übrig sind, ja, da tun wir halt jetzt ein bisserl… Also das ist für mich keine Vision."
Gemäß der Katholischen Soziallehre sind die Güter dieser Erde allen Menschen zur verantwortungsvollen Nutzung anvertraut. Gleichzeitig befindet sich ein Großteil der österreichischen Seeufer heute in Privatbesitz. Daraus ergeben sich Fragen nach Gerechtigkeit im Umgang mit den begrenzten Seezugängen. Über diese Fragen sprechen wir in der aktuellen Podcastfolge mit Stephanie Drlik. Die Landschaftsarchitektin und Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur (ÖGLA) ist Initiatorin der ersten Österreichischen Seenkonferenz, die unterschiedliche Stakeholder zur Zukunft der österreichischen Seenlandschaften zusammenbringen möchte.
Drlik beschreibt Seeufer als komplexe Räume, in denen zahlreiche Interessen aufeinandertreffen: Gemeinden, Politik, Tourismus, Grundeigentümer:innen, Besucher:innen und nicht zuletzt die Natur selbst. Die meisten Ufergrundstücke befinden sich heute in privater Hand. Eine Enteignung hält sie weder für realistisch noch für zielführend. Stattdessen plädiert sie für Lösungen, die Zugänge und gemeinschaftliche Nutzung ermöglichen, ohne bestehende Eigentumsverhältnisse infrage zu stellen. Dabei verweist sie auf bestehende rechtliche Möglichkeiten und bislang wenig genutzte öffentliche Flächen entlang vieler Seen.
Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die ökologische Perspektive. Uferverbauungen, aufgeschüttete Badeflächen und andere Eingriffe verändern sensible Lebensräume und wirken sich auf Biodiversität und Wasserökologie aus. Gleichzeitig verpflichten europäische und nationale Vorgaben Österreich dazu, den ökologischen Zustand seiner Gewässer langfristig zu erhalten oder wiederherzustellen.
Für Drlik braucht es deshalb übergeordnete Planungsansätze, die verschiedene Interessen in Einklang bringen und langfristige Ziele formulieren. Sie versteht Landschaftsplanung als eine Form der Moderation zwischen Naturschutz, öffentlichen Bedürfnissen und privaten Ansprüchen. Soziale Gerechtigkeit sei dabei ebenso zentral wie ökologische Nachhaltigkeit.
Darüber hinaus sprechen wir über die Auswirkungen von Klimawandel, Trockenheit und sinkenden Wasserständen auf die Seenlandschaften Österreichs, über die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit sowie über die Frage, wie in komplexen gesellschaftlichen Konflikten wieder tragfähige Kompromisse gefunden werden können. Drlik plädiert für eine neue Kultur des Aushandelns und für eine Politik, die langfristige Perspektiven für die gemeinsame Nutzung und den Schutz unserer Landschaften entwickelt.
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DI Dr. Stephanie Drlik ist Landschaftsarchitektin und hat im Bereich Klimawandelanpassung und nachhaltige Entwicklung promoviert. Seit 2016 ist Drlik Geschäftsführerin der ÖGLA | Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur. Darüber hinaus ist sie als Expertin für die Europäische Kommission und als Fachgutachterin tätig, Chefredakteurin des Fachmagazins zoll+ und der Onlineplattform hausderlandschaft.org sowie Initiatorin der 1. Österreichischen Seenkonferenz (ÖSeeK).
Portraitfoto: © Jana Madzigon
Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.




