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Gastbeitrag Wohlstand als ethische Fragestellung begreifen von Sebastian Thieme

 

Sebastian Thieme

Wohlstand als ethische Fragestellung begreifen

Gastbeitrag im Verlag Barbara Budrich

 

In Debatten um Wohlstand, insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften, spielt Ethik oft nur eine untergeordnete Rolle. Aber Fragen des Wohlstands werfen immer auch ethische Fragen auf. Was heißt es, Wohlstand als ethische Fragestellung zu begreifen?

 

 

„Wohlstand“ ist nicht nur deshalb ein schwieriger Begriff, weil sich sein Gebrauch mit verschiedenen Vorstellungen verbindet, er selbst im Fachgebrauch aber fast nie definiert wird. Nein, darüber hinaus findet die ethische Dimension dieses Begriffs üblicherweise keine Berücksichtigung. Wird diese ethische Seite vernachlässigt, bleibt das Verständnis über Wohlstand unvollständig. Aber was ist damit gemeint, Wohlstand als ethische Fragestellung zu begreifen?

 

Ethische Perspektive als Herausforderung

Zunächst ist daran zu erinnern, dass sich ‚die Ethik‘ nach Immanuel Kant (1724–1804) um die Frage „Was soll ich tun?“ dreht. Soll aber aus Einsicht gehandelt werden, dann ist auch nach den guten Gründen zu fragen, aus denen heraus etwas getan werden soll: Warum soll ich etwas tun? Wohlstand als ethische Fragestellung zu begreifen, das bedeutet deshalb, sich damit auseinanderzusetzen, wo sich Wohlstand mit der Frage „Was soll ich warum – aus welchen Gründen heraus – tun?“ verbindet. Es geht dann um Fragen der ethischen Legitimität und Rechtfertigung, aber auch um ethische Konflikte, die sich in ganz unterschiedlichen Wohlstandszusammenhängen stellen.

Damit eröffnet sich ein sehr breites Spektrum an Themen, in dem die ethische Fragestellung selbst in unterschiedlicher Art und Weise in Erscheinung tritt. Zum Beispiel kann ein gesellschaftlicher Zustand (Verteilung von Vermögen, die Lebenserwartung in der Gesellschaft usw.) oder eine wirtschaftspolitische Maßnahme – Mindestlohn, Mietendeckel usw. – direkt als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ beurteilt werden. Aber auch jede Entscheidung im Forschungsprozess hat eine ethische Qualität, stellt sich doch dort ebenfalls die Frage „Was soll ich – warum – tun?“. Das betrifft etwa die Wahl bestimmter Annahmen, die in einem Modell oder Forschungsdesign zu Grunde gelegt werden, oder die Wahl einer Variablen für eine Wohlfahrtsfunktion. Der damit verbundene ethische Charakter mag unscheinbar sein, kann aber eine gesellschaftspolitisch überaus relevante Wirkung entfalten.

Zum Beispiel wird Wohlstand in der vorherrschenden Ökonomik häufig mit Markt, Wettbewerb und Wachstum assoziiert. Dem liegen wiederum Modelle zu Grunde, in denen Wohlstand auf marktwirtschaftlichen Aktivitäten basiert und häufig nur durch Wachstum im Sinne der Zunahme des Bruttoinlandsprodukts gedacht wird. Der Wohlstand soll dann dort als Wohlfahrt „maximiert“ werden. Das ist im Marktgleichgewicht der Fall. Alle Maßnahmen, zu denen sich eine Gesellschaft demokratisch entscheiden mag und die in ‚den Markt‘ eingreifen (Mindestlohn, Preisobergrenzen etc.), stehen dann aber potenziell in der Gefahr, diese perfekt modellierten Marktprozesse und damit das Marktgleichgewicht zu beeinträchtigen.

Das zieht – im Modell – gesellschaftliche Wohlstandsverluste nach sich. Diese wissenschaftliche Einschätzung mag ‚neutral‘ bzw. ‚wertfrei‘ wirken. Doch im Kern handelt es sich eben um eine marktwirtschaftliche Beurteilung und diese ist durch die zu Grunde gelegte Modellierung und Annahmen normativ – ethisch – vorstrukturiert. Es ist also eine zu rechtfertigende Entscheidung, Wohlstand nur auf marktwirtschaftliche Aktivitäten reduzieren zu wollen. Im Gegensatz dazu könnte Wohlstand auch anders begriffen werden, aus etwa einem sozialökonomischen Verständnis ist er ein direktes Ergebnis staatlicher Leistungen (öffentliche Daseinsvorsorge) und der unbezahlten Hausarbeit.

Das klingt abstrakt? Gut möglich. Aber wer sich das ins Bewusstsein ruft, wird für die Momente sensibilisiert, in denen sich wertende Gesichtspunkte in vermeintlich ‚neutrale‘ Argumentationen einschleichen. Die Vorstellungen von Wohlstand sind nämlich auch von wertenden Narrativen (Erzählungen) geprägt, die sich auf der argumentativen Tiefenstruktur – auf der Ebene der Annahmen – einschreiben (Wachstumsnarrative, Wettbewerbsnarrative usw.).

 

Wohlstand im Kontext: Verstehen, Vermessung, Wachstum und Verteilung

Mit diesen Überlegungen zur Ethik gewappnet lässt sich Wohlstand in verschiedene Kontexte stellen, um dort spezifische ethische Fragestellungen zu identifizieren. Das betrifft bereits die Frage, welches Verständnis von Wohlstand aus welchen Gründen heraus herangezogen wird. Wie ist mit den unterschiedlichen Vorstellungen von Wohlstand umzugehen? Wodurch rechtfertigt sich die Wahl eines bestimmten Verständnisses von Wohlstand?

Die Vermessung von Wohlstand stellt einen weiteren und sehr populären Kontext dar. Bekanntlich ist das BIP nur in einem begrenzten Umfang in der Lage, Wohlstand abzubilden. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein umfassendes Bild von Wohlstand auch unbezahlte Hausarbeit, Freizeit, Umwelt und – im negativen Sinne – Umweltschädigungen usw. zu berücksichtigen hat. Das wird über alternative Wohlstandsindikatoren erfasst, etwa dem Human Development Index, in den österreichischen Wohlstandsberichten oder über Glücksformeln in der Glücksforschung.

Wohlstand als ethische Fragestellung zu begreifen, das betrifft dann die Abwägung und Rechtfertigung, welche Vorstellung von Wohlstand und welche Indikatoren bzw. Kenngrößen gewählt werden. Darüber hinaus sind ethische Konflikte zu erwägen: Zum Beispiel, wenn die Vermessung und (marktwirtschaftliche) Bewertung von bislang nicht vermessenen Bereichen des Lebens Gefahr läuft, einer Ökonomisierung Vorschub zu leisten und sogar den charakteristischen Kern etwa von Haus- und Sorgearbeit zu unterminieren.

Vor allem aus ökonomischer Sicht steht Wohlstand sehr eng mit Wachstum im Zusammenhang. Andere Verständnisse von Wohlstand – etwa aus dem Bereich Postwachstum – üben dagegen nicht nur deutlich Kritik an den Folgen des Wirtschaftswachstums, sondern thematisieren auch Lösungen: Zum Beispiel muss der Wohlstand im Sinne von Mobilität durch den Verzicht auf ein privates Auto nicht sinken, wenn es eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur gibt (ÖPNV, Fernverkehr usw.). Hinzu kommen Fragen der Verantwortung für die teils existenziellen Schäden, die der Konsum des globalen Nordens in Ländern des Südens verursacht. Das alles hat mit Bewertungen zu tun und wirft ethische Fragen auf.

Diese werden auch aufgeworfen, wenn Vermögensungleichheit als schädlich für das Gemeinwohl angesehen wird. In diesem Fall wäre zu klären, wo das ethisch legitime Niveau an Vermögenskonzentration liegen soll. Das wiederum verbindet sich mit der Klärung von Obergrenzen für Vermögen, die gleichsam Wohlstandsobergrenzen darstellen.

 

Orientierung in Fragen der ethischen Legitimität

Diese wenigen Ausführungen können nur umreißen, wie breit der Bereich ausfällt, der sich eröffnet, wenn Wohlstand als ethische Fragestellung begriffen wird. Das ist auch notwendig, um angemessen mit Fragen des Wohlstands umgehen zu können. Andernfalls sind nicht nur auf der Ebene von Theorie und Forschung ethische Konflikte vorprogrammiert, sondern es steht auch zu befürchten, dass diese sich über ihre Wirkung auf die Gesellschaftspolitik in soziale Spannungen übertragen. Es ist deshalb wichtig, für die ethischen Fragen zu sensibilisieren, mit denen Wohlstand in verschiedenen Kontexten konfrontiert ist (etwa Wachstum, Verteilung und Sozialstaat).

Für die dann angemessene Auseinandersetzung mit diesen ethischen Fragen stehen zahlreiche ethische Konzepte und Moralprinzipien zur Verfügung. Wer dazu Anregungen und Orientierung sucht, wird sie im neu erschienenen Buch „Wohlstand zwischen Wachstum und Ungleichheit“ finden.

 

 


Zum Autor: Sebastian Thieme ist wissenschaftlicher Referent der ksœ. Am 19. Januar erschien sein neues Buch "Wohlstand zwischen Wachstum und Ungleichheit. Ethische Perspektiven auf Wirtschaft und Gesellschaft"

 

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