Soziallehre - in Bewegung


Foto auf Cover Dossier 04-2011> Dossier - Nummer 2011 04

Soziallehre - in Bewegung

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Inhalt

 

Einleitendes:

 

Beiträge:

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Einleitendes:

Soziallehre – in Bewegung

Die Katholische Soziallehre (KSL) ist kein statisches, in sich abgeschlossenes Lehrgebäude, sondern will als zeitgemäß-zeitgerechte Antwort auf gesellschaftspolitische Fragen in einem jeweiligen sozialgeschichtlichen Kontext verstanden werden. Um dieses Anspruchs willen muss sie deshalb selbst dauerhaft in Bewegung bleiben, also ihre Gewichtungen und Akzentsetzungen jeweils aktuellen Herausforderungen anpassen und ihre Themenfelder erweitern. Um tatsächliche Wirkung entfalten zu können, ist die KSL seit Rerum novarum, dem ersten Sozialrundschreiben Leos XIII., aber immer auch angewiesen auf Menschen und Personengruppen, die sich von ihr inspirieren und bewegen lassen, um selbst gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und Bewegungen anzustoßen, mitzugestalten und in Bewegung zu halten. Schon früh hat sich dabei im Sinne dieser Erfordernis eines beständigen „aggiornamento“ die Tradition etabliert, den Anlass „runder“ Gedenkjahre zu nutzen für kritische Standortbestimmung und Fortschreibung durch Stellungnahmen zu aktuellen Herausforderungen – angefangen von Quadragesimo anno Pius’ XI. bis Caritas in veritate Benedikts XVI.


2011 ist in dieser Hinsicht gleich in mehrfacher Weise ein „rundes“ Gedenkjahr für die KSL in Österreich: Vor 120 Jahren legte Leo XIII. mit seiner Enzyklika Rerum novarum den Grundstein zur Entwicklung einer kirchlichen Soziallehre für die Moderne. 60 Jahre später initiierten Aktivisten der Katholischen Arbeiterjugend (KAJ) mit der Katholischen Arbeitnehmer/innen Bewegung Österreich (KABÖ) eine soziale Bewegung im Geist der Katholischen Aktion, die sich dezidiert der Weitergabe und Umsetzung der KSL in der Arbeitswelt verschrieben hat. Und auf eine 25jährige Geschichte kann nunmehr die Papst Leo-Stiftung mit Sitz in Horn/NÖ zurückblicken. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Einzelpersonen, aber auch Gruppen und Organisationen mit einem Preis zu würdigen und so ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, die sich in vorbildlicher Weise um die inhaltliche Weiterentwicklung sowie konkrete Umsetzung der kirchlichen Sozialverkündigung verdient gemacht haben. Dieses dreifache Jubeljahr ist für die ksoe willkommener Anlass zu diesem Dossier „Soziallehre in Bewegung“.


SICHTWEISEN


Im ersten Beitrag der Rubrik „Sichtweisen“ fragt Markus Demele nach der bleibenden Aktualität der Enzyklika Rerum novarum bzw. nach jenen Impulsen, welche die kirchliche Aus-einandersetzung mit sozialen Fragen der Gegenwart daraus gewinnen kann – sowohl im Blick auf die Gesellschaft in Österreich als auch im globalen Kontext.


Auf die Notwendigkeit, die gesamte KSL und v.a. ihre klassischen Grundprinzipien immer wieder neu als antizyklisches Konzept zu lesen und in Anwendung zu bringen, verweist der Beitrag von Markus Schlagnitweit. Findet dieser antizyklische Ansatz und die daraus zu gewinnende Lesart keine ausreichende Beachtung, droht der kirchlichen Sozialverkündigung die einseitige ideologische Vereinnahmung und Verzweckung zur Rechtfertigung gesellschaftspolitischer Interessen.


Dem reichhaltigen sozialen Vermächtnis Johannes Pauls II. ist der Beitrag von Paloma Fernández de la Hoz gewidmet, sein aktueller Anlass die Seligsprechung dieses Papstes, an dessen profilierter Amtsführung sich bis heute die Geister scheiden. Der Artikel kann als Positionierung gegen eine selektive Wahrnehmung dieser kirchen- wie weltpolitisch bedeutenden Persönlichkeit gelesen werden und legt überzeugend den zentralen Stellenwert der KSL in der Lehrtätigkeit Johannes Pauls II. dar.


Hohen Stellenwert hat Johannes Paul II. dem ökumenischen und interreligiösen Dialog beigemessen – auch und gerade in Zusammenhang mit Fragen der Gesellschaftsentwicklung. Daher liegt es nahe, die KSL selbst zum Gegenstand dieses Dialogs machen: Ulrich Körtner wirft in seinem Beitrag einen kritisch-konstruktiven Blick auf die KSL aus evangelischer Perspektive. Über den langen und mühevollen Weg der orthodoxen Kirchen zu einem eigenständigen (sozial-)ethischen Profil reflektiert der rumänische Theologe Radu Preda. Schließlich verweist die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Carla Amina Baghajati auf die Beteiligung der Religionen an der Auseinandersetzung mit sozialen Fragen und bezieht sich dabei auf positive Erfahrungen interkonfessioneller Zusammenarbeit.


ORTE


Die ersten beiden Beiträge der Rubrik „Orte“ sind den bereits oben angesprochenen „Mit-Jubilaren“ gewidmet: Maria Etl, Bundessekretärin der KABÖ, beschränkt sich in ihrem Beitrag keineswegs auf einen Rückblick über die Geschichte „ihrer“ Bewegung, sondern wirft auch einen Blick auf aktuelle Arbeitsschwerpunkte.


Roman Fröhlich stellt ebenfalls nicht nur „seine“ Papst Leo-Stiftung vor, sondern zeichnet mit einer exemplarischen Auswahl ihrer PreisträgerInnen auch ein buntes Bild der Vielfalt an sozialem Engagement, das sich an der KSL inspiriert und orientiert.


Ergänzend wird mit dem Tiroler P. Gapp-Preis sowie dem WER-Preis der Industriellenvereinigung auf zwei weitere Formen der Würdigung konkreter Arbeit mit bzw. im Dienst der KSL hingewiesen.


Auf welch vielfältige Weise die KSL in der kirchlichen Jugendarbeit auf fruchtbaren Boden fällt bzw. wie diese sich mit Themen der KSL auseinandersetzt und sie sich aneignet, schildert die Darstellung von Magdalena Reinthaler. Dass die KSL nicht nur Grundlage und Nahrung für soziales Engagement in Arbeitswelt und Zivilgesellschaft ist, sondern auch Inspirationsquelle für schulische Bildungskonzepte sein kann, belegt Johann Hischs Beitrag über die mittlerweile fast 100 zertifizierten „PILRIM-Schulen“ in ganz Österreich.


Weiters kommen zwei Beispiele für die Verankerung und Umsetzung von Prinzipien und Werten der KSL in wirtschaftlichen Betrieben zu Wort: Maria Strutz-Winkler, Co-Geschäftsführerin der Winkler Märkte im Großraum Linz, legt Zeugnis ab über den gewiss herausfordernden, aber auch lohnenden und erfolgreichen Versuch, die kontinuierliche Führung und Weiterentwicklung eines selbständigen, unabhängigen Familienbetriebs mit mittlerweile über 100jähriger Tradition bewusst auf die Grundlage der KSL zu stellen und sich immer wieder neu und zeitgemäß mit ihr auseinander zu setzen. In großer Offenheit schildert auch Rainer Kinast den keineswegs einfachen Weg der Umsetzung von KSL-Prinzipien und -Werten in einem zwar nicht gewinnorientierten, aber dennoch in der Konkurrenz des freien Marktes stehenden Gastronomie-Betriebs – und ist überzeugt, „dass das Setzen von Zeichen immer noch mehr ist, als einen Wert gänzlich über Bord zu werfen“.


Auf welche Weise die KSL auch Gegenstand der Reflexion und Auseinandersetzung in politischen Parteien bzw. innerparteilichen Gruppen ist, haben wir VertreterInnen derselben gefragt und Antworten aus SPÖ, ÖVP und Grünen erhalten.


Wie Anliegen der KSL über die Grenzen von Parteien und Interessengruppen hinweg in den politischen Prozess eingebracht werden, zeigt die „Allianz für den freien Sonntag“, die in Österreich von der ksoe koordiniert wird, und für die eine Gründung auf europäischer Ebene bevorsteht.  


ksoe-Direktor Alois Riedlsperger beschließt das Dossier mit einem Ausblick auf den bleibenden Zusammenhang von Soziallehre und Sozialpraxis, damit die KSL auch in Zukunft in Bewegung bleibt.

 

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