> Soziale Mindestleistungen: Menschenwürde ins Zentrum rücken

Schasching-Fellow Sebastian Thieme: "Es gibt keine halben Menschen"

(Wien, 17.3.2016) Outline download >

Die aktuelle Debatte um soziale Mindestleistungen war Thema des "Ksoe-Frühstücks im Jesuiten-Foyer" am 16.3.2016 in Wien mit Wirtschaftethiker und Ökonom Sebastian Thieme. Dieser ist im Arbeitsjahr 2015/16 P.-Johannes-Schasching-SJ-Fellow der ksoe.

"Was braucht es für ein menschenwürdiges Leben?" - aus wirtschaftsethischer Sicht ist diese Frage ins Zentrum der Debatte über soziale Mindestleistungen zu stellen, so Thieme. Die Antworten darauf müssten vor dem Hintergrund von drei inhaltlichen Kriterien beurteilt werden:

Es stelle einen großen Unterschied dar, ob ein soziales Minimum in der Gesellschaft von ManagerInnen, BürokratInnen, PolitikerInnen etc. oder mit Beteiligung der von Armut Betroffenen, Erwerbslosen, sozialen Organisationen u.ä. festgelegt wird.

"Menschenwürde kann nicht halbiert werden", sagte der Wirtschaftsethiker in Richtung der aktuellen Debatten über die Kürzung der Mindestsicherung für Flüchtlinge. Es gebe keine "halben Menschen".

Unter ein "Minimum" könne man nicht mehr gehen und dennoch ist dies bereits der Fall in "workfare-Systemen" wie Hartz IV oder der Mindestsicherung. Nicht die Menschenwürde stehe bei diesem Ansatz im Vordergrund sondern marktkonformes Verhalten. Dieses wird durch Sanktionen bei Verstößen gegen bestimmte Auflagen umgesetzt. Wesentlich bedeutet dies die Kürzung von Leistungen, welche die Lebensgrundlagen sichern sollen.

Argumentiert werde auch immer wieder, dass ein "Lohnabstands-Gebot" einzuhalten sei, erläuterte Thieme. Demgemäß müsse ein entsprechend großer Abstand zwischen existenzsichernden Sozialleistungen und den Löhnen für Erwerbsarbeit liegen, damit sich Erwerbsarbeit angeblich lohne. Aus ethischer Sicht wäre es aber geboten, die Löhne anzuheben anstatt soziale Standards unter ein "Minimum" zu senken.

Thieme sieht bereits in den Grundannahmen der mainstream-Ökonomie ein Grundproblem: dem sogenannten "homo oeconomicus" werde zugeschrieben, dass dieser seinen individuellen Nutzen maximiere. Wie aber kann es sein, dass es diesen gar nicht interessiert, ob und wie seine Lebensfähigkeit bzw. auch Selbsterhaltung gesichert ist?

Schasching-Fellow Thieme erinnerte im Kontext der aktuellen Debatten auch an das Prinzip der Subsidiarität. Es beinhalte eben auch eine Pflicht des Staates, Menschen dabei zu unterstützen, dass diese sich selbst helfen können. Die Prinzipien von Menschenwürde und Subsidiarität dürfen nicht verletzt werden, so Schasching-Fellow Thieme.

Sebastian Thieme: "Wenn wir wieder die Menschenwürde ins Zentrum stellen, erst dann kann eine differenzierte Diskussion über Sozialstaats-Maßnahmen erfolgen."

 

TeilnehmerInnen - darunter SchülerInnen der Vienna Business School (PILGRIM-Schule)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sebastian Thieme, Schasching Fellow der ksoe

 

 

 

 

 

 

 

 

Murmelrunde nach dem Vortrag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TeilnehmerInnen - Bischof em. Maximilian Aichern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfragen und Diskussionsbeiträge aus dem Publikum

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