>> Pressemitteilung 18.11.2011 Eindrucksvolles Statement für den freien Sonntag
„Wie wir nach dem Festakt erfahren mussten, ist Metropolit Michael Staikos am Nachmittag des 18.10. verstorben. Die Allianz für den freien Sonntag Österreich ist in Trauer“, so die Sprecher der Sonntags-Allianz, „Michael Staikos verdanken wir es, dass heute sämtliche orthodoxen und altorientalischen Kirchen in Österreich Mitglieder der Allianz für den freien Sonntag Österreich sind. Das Engagement der östlichen Kirchen für den freien Sonntag wurde durch die Anwesenheit des koptischen Bischofs Gabriel beim Festakt im Parlament einmal mehr unterstrichen.“ „Die Anwesenheit von TeilnehmerInnen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen hat sichtbar gemacht, dass die Idee des freien Sonntags in der Gesellschaft breit verankert ist“, so die beiden Sprecher. Mit über 250 (inter)nationalen Gästen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kirchen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft hatte die „Allianz für den freien Sonntag Österreich“ am 18.10.2011 gefeiert und einmal mehr die Bedeutung des freien Sonntags für Zeitwohlstand und Lebensqualität unterstrichen. An einer Gesprächsrunde nahmen ÖGB-Präsident Erich Foglar, WKO- Spartenobmann Handel Fritz Aichinger, Oberkirchenrätin Hannelore Reiner (Evang. Kirche A.B.), Elisabeth Wöran (Plattform für Alleinerziehende) und Bischof Ludwig Schwarz (Österr. Bischofskonferenz) teil.
Fritz Neugebauer Der 2. Präsident des Nationalrates Fritz Neugebauer betonte in seiner Begrüßung, dass der freie Sonntag das älteste Sozialgesetz sei. Der freie Sonntag gehöre zu den großen sozialen Errungenschaften der großen monotheistischen Religionen Judentum und Christentum. Der Sonntag schaffe Ruhe für das Erleben von Gemeinschaften. Die gemeinsame Zeit und die Pflege sozialer Netzwerke könne nicht hoch genug geschätzt werden. „10 Jahre erfolgreiche Allianz“ bedeute, auch permanent die „Wachsamkeit“ zu schärfen, so Neugebauer.
Bischof Ludwig Schwarz Bischof Ludwig Schwarz betonte als Sprecher der Sonntags-Allianz und Vertreter der Österreichischen Bischofskonferenz das gute Klima, in dem Gewerkschaften und Kirchen seit Gründung der Sonntagsallianz zusammenarbeiten. Er sprach dabei seine Hochachtung für den Präsidenten des ÖGB und die Präsidenten der Teilgewerkschaften sowie für deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus. Schwarz erinnerte daran, dass biblisch gesehen beim Sonntag der soziale Aspekt im Vordergrund steht. „Somit ist wohl das 3. Gebot („Du sollst den Tag des Herrn heiligen“) das älteste Sozialgesetz der Menschheit“. Auf die Frage, warum sich die Kirche so sehr für den freien Sonntag engagiert, sagte der Sozialbischof: „Es ist die Sorge um das Individuum genauso, wie die Sorge um das gesellschaftliche Gemeinwohl, die hier die Kirche antreibt, denn beim freien Sonntag geht es um ein gesellschaftliches Gut“. Beim freien Sonntag gehe es wesentlich um ein „Symbol der Freiheit“ und des „sozialen Zusammenhalts“. „Wir brauchen kein Mehr an zeitlicher Flexibilität, sondern wieder ein Mehr an verlässlicher Zeit, die den Menschen zur Verfügung steht: individuell und in Gemeinschaft“. Bischof Ludwig Schwarz erinnerte an die Aussagen des Papstes bei seinem Besuch in Österreich 2007: Der Sonntag sei "das wöchentliche Schöpfungsfest der Kirche, das Fest der Dankbarkeit für Gottes Schöpfung und der Freude über sie". Benedikt der XVI hatte es so formuliert: "In einer Zeit, in der die Schöpfung durch unser Menschenwerk vielfältig gefährdet scheint, sollten wir gerade auch diese Dimension des Sonntags bewusst aufnehmen".
Franz Georg Brantner Allianz-Sprecher Franz Georg Brantner (Österr. Gewerkschaftsbund) betonte in seinem Beitrag, dass die „Öffnungszeiten im Handel ein Taktgeber für die ganze Gesellschaft“ sind. Eine Gesellschaft brauche gemeinsame, synchronisierte Zeit für so unterschiedliche Anliegen wie Freundschaften, Familie oder ehrenamtliches Engagement genauso wie auch für die Entschleunigung. Sonntagsarbeit müsse daher auf die gesellschaftlich notwendigen Bereiche beschränkt bleiben. Brantner
Hannes Kreller Hannes Kreller, Vertreter der Deutschen Allianz für den freien Sonntag, betonte in seinem Input, dass die österreichische Sonntags-Allianz die „Blaupause“ für die Gründung der Allianz für den freien Sonntag in Deutschland gewesen ist. Derzeit engagieren sich in Bayern, Baden-Würtemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und in über 80 Gemeinden Allianzen für den freien Sonntag in Deutschland. Ein Urteil des Bundesverfassunggerichtes 2009 stellte fest, dass das Ladenschlussgesetz für das Bundesland Berlin nicht dem Grundgesetz entspricht und zu ändern ist und dass „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“ bleiben. Laut Bundesverfassungsgericht müssen Sonntagsöffnungen im Einzelhandel im öffentlichen Interesse stehen. Ein bloßes „Shopping-Interesse“ von KundInnen oder ein wirtschaftliches Interesse von Händlern rechtfertige diese nicht. Wie Kreller weiters berichtete, haben sich mittlerweile in Frankreich, Großbritannien, Südtirol, Polen und der Slowakei Allianzen und Initiativen für den freien Sonntag gegründet. In vielen europäischen Ländern nimmt die Diskussion über den arbeitsfreien Sonntag Fahrt auf. „Wir wissen um die besondere Bedeutung von Europa. Globalisierter
Wettbewerb der Güter und Dienstleistungen erfordert auch globalisierte
Rahmenbedingungen, um nicht der Wirtschaft unsere Gesundheit und die
Vorzüge eines gemeinschaftlichen Lebens zu `opfern´. Die Finanzkrise zeigt,
dass der freie Markt auch die Lebensqualität vieler Menschen vernichten kann.
Erich Foglar ÖGB-Präsident Erich Foglar unterstrich, dass die Gewerkschaftsmitglieder ein
Fritz Aichinger WKO-Spartenobmann für den Handel Fritz Aichinger sagte, dass es für ihn als< Unternehmer und Betriebswirt neben den gesellschafts- und familienpolitischen Argumenten auch ein betriebswirtschaftliches Argument für den freien Sonntag gebe. Ein 7. Tag im Handel würde 16% mehr Umsatz erfordern, wofür die Kaufkraft fehle. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht würde eine Sonntagsöffnung im Handel zu einer enormen Konzentration führen wie auch zu einer Verlagerung zu 1A-Lagen, womit die Nahversorgung gefährdet werde. Das Beispiel Samstag zeige, dass maximal ein Drittel der Geschäfte offen halte. Aichinger betonte, dass 95% der 80.000 Handelsbetriebe mit über 550.000 Beschäftigten den freien Sonntag wünschen. Hannelore Reiner Die geistliche Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche A.B. Hannelore Reiner
betonte, dass wir in einer „Freizeit- und Erlebnisgesellschaft leben“. Die Feier des
Sonntags sei aber mehr als bloß gemeinsam erlebte Freizeit. Der freie Sonntag
ist ein „gemeinsames Aufatmen“, ein „Moratorium des Alltags“ (Odo Maquard)
verbunden mit Dank (Eucharistie). Diese Zäsur spräche auch viele junge
Menschen an. Sie genießen diesen Tag der Muße zum Nachdenken, Erinnern
usw. Der freie Sonntag bringt laut Reiner Familien und Freunde zusammen.
Elisabeth Wöran Die Geschäftsführerin der Plattform für Alleinerziehende Elisabeth Wöran betonte als Vertreterin der Zivilgesellschaft, dass es um das Anliegen des „erwerbs-freien Sonntags“ gehe, da Arbeit mehr sei als Erwerbsarbeit, nämlich auch die viele unbezahlte Arbeit, die v.a. von Frauen geleistet wird. Von den ca. 175.000 Alleinerziehenden seien allein 22.000 im Handel beschäftigt. Für Alleinerzieherinnen brauche es unter der Woche verbesserte Kinderbetreuungsmöglichkeiten, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Ziel müsse es sein, dass am Sonntag Zeit für die Kinder ist und keine zusätzliche außerhäusliche Kinderbetreuung geschaffen werden muss.
Maximillian Aichern Bischof em. Maximilian Aichern hob beim Festakt die gute Zusammenarbeit
zwischen den Mitgliedsorganisationen der Allianz für den freien Sonntag
hervor. „Von Anfang an bestand eine konstruktive Atmosphäre, in der es
Freude machte, an diesem gemeinsamen Anliegen zu arbeiten“. Auf die Zukunft
gerichtet meinte Aichern: „Der Einsatz für den freien Sonntag ist notwendig. Aichern war langjährig in der Österr. Bischofskonferenz für soziale Fragen zuständig und setzte sich seit den späten 80iger Jahren gemeinsam mit der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung und der Gewerkschaft für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags ein. Schritt für Schritt kam es unter seiner Führung zur Gründung von Länderallianzen (erste Bundesländerallianz 1997 in OÖ) und schließlich zur bundesweiten Allianz für den freien Sonntag Österreich. Erich Reichelt Der ehemalige leitende Sekretär in der GPA-djp für den Bereich Handel Erich Reichelt machte darauf aufmerksam, dass die Aushöhlung des freien Sonntags durch einzelne Events vorangetrieben wird. So hätte jüngst ein Handelsunternehmen für VIPs und deren Kinder ein (Shopping-)Event am Sonntag organisiert. „Monatlich passiert an irgendeiner Ecke ein Verstoß“, warnte Reichelt, der zur Wachsamkeit mahnte. Reichelt erinnerte daran, dass der freie Sonntag bereits beim Einigungsparteitag der Sozialdemokratie in Hainfeld eine zentrale Forderung an die damalige Regierung gewesen sei. Reichelt bezeichnete den freien Sonntag als „Wiege der Solidarität“, die bereits im Familienleben liege. Gesellschaftlich sei der freie Sonntag unverzichtbar.
Alfred Bujara Am Festakt nahmen zahlreiche VertreterInnen von Handelsgewerkschaften
der Nachbarländer teil. Alfred Bujara, Vorsitzender des Bereichs Handel in der
polnischen Solidarnosc und Vertreter der Polnischen Sonntagsallianz betonte,
dass die Allianz für den freien Sonntag Österreich für Polen eine „Inspiration“
gewesen sei. Den freien Sonntag benötige die Gesellschaft zur Erholung und für
die Familie und vieles andere mehr. Er hofft, dass es gelingen werde, den freien
Sonntag in die Europäische Arbeitszeitrichtlinie aufzunehmen. Fotos von der Veranstaltung: www.parlament.gv.at (Menüpunkt Service – Fotoarchiv – aktuelle Fotos) ___ Rückfragehinweis für die Medien: Katholische Sozialakademie Österreichs Mehrfachsendungen sind aus technischen Gründen leider nicht zu vermeiden. Wir bitten um Verständnis. Sollte die Zusendung des Emails irrtümlich erfolgen oder nicht gewünscht sein, ersuchen wir um Retournierung des Emails mit dem Vermerk „ABBESTELLEN“ |
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