Ethisch Handeln
Ist Geld- oder Vermögensbesitz bzw. Geldanlage
nicht schon an sich problematisch?
Man könnte argumentieren, dass wirtschaftliche - und vor allem finanzwirtschaftliche - Vorgänge dermaßen komplex sind, dass man nie ganz sicher sein kann, alle Bereiche sozialer und ökologischer Verantwortung ausreichend zu berücksichtigen.
Außerdem ist ja auch eine ethische Geldanlage eine Geldanlage am Finanzmarkt, einem gerade hinsichtlich sozialer und ökologischer Fragen heftig kritisierten Bereich der modernen Ökonomie. Tatsächlich sind solche Bedenken ernst zu nehmen. Dass der neoliberale Finanzkapitalismus weltweit zu großen sozialen, ökologischen und ökonomischen Problemen führt, ist evident. Wie aber kann man das ändern? Kann man die Finanzwirtschaft überhaupt boykottieren und wenn ja, was würde das bringen? Soll eine Lösung auf der Ebene der Rahmenbedingungen geschehen? Soll eine Änderung auf der Ebene der Kritik transnationaler Konzerne und des Drucks von KonsumentInnen erfolgen?
Auch die Frage, warum Menschen über mehr Geld verfügen als andere (weil sie am Erwerbsarbeitsmarkt mehr Einkommen erzielen als andere,
aufgrund einer Schenkung oder Erbschaft, oder ganz einfach, weil sie im reichen Norden leben) ist nicht wertneutral. So argumentieren etwa NGOs in den Ländern des Südens, dass sie durch die Jahrhunderte lange Ausbeutung und andere strukturelle Benachteiligungen eigentlich nichts dem Norden schulden, sondern umgekehrt.
Wenn mein Nachbar aufgrund fehlender gerechter Strukturen in Armut lebt, so kann die Frage jedenfalls nicht nur lauten: Wie lege ich mein Geld rentabel und gleichzeitig nachhaltig an?
Die ksoe ist davon überzeugt,
> dass es eine Änderung von Rahmenbedingungen braucht (z.B. eine neue Finanzarchitektur), um eine andere, menschen-, gesellschafts- und sachgerechte Ökonomie zu ermöglichen,
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dass die Zivilgesellschaft die soziale und ökologische Verantwortung der Unternehmen einzufordern hat und
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dass es sowohl auf politischer Ebene wie auch auf individueller Ebene immer um die Frage solidarischer Lösungen gehen muss: z.B. durch die Stärkung des solidarischen umlagefinanzierten Pensionssystems oder etwa durch persönliches Teilen.
Für viele Menschen und Institutionen stellt sich im Alltag dennoch die Frage der Geldveranlagung. Viele Menschen entscheiden sich, finanziell vorzusorgen, etwa für Notfälle, zur Ausbildung ihrer Kinder, um nach dem Erwerbsleben ihren Lebensstandard zu erhalten oder um zu einem späteren Zeitpunkt größere Investitionen tätigen zu können.
Ordensgemeinschaften - die nicht ins staatliche Pensionssystem integriert sind - müssen für ihre Ordensmitglieder Kapitalstöcke bilden, um die Altersvorsorge zu gewährleisten. Hier ist das Thema Geldanlage gar nicht zu umgehen. In solchen Situationen ist es daher umso wichtiger, Geld ethisch anzulegen, zumal damit die Möglichkeit gegeben ist, Einfluss zu nehmen auf die Art und Weise wie Wirtschaft funktioniert.
Die ksoe nimmt allerdings auch eine gesellschaftliche Entwicklung in Richtung "Finanzkapitalismus für alle" wahr, indem etwa immer mehr Menschen durch die Privatisierung der Pensionssysteme in die Finanzmärkte integriert werden sollen. In der gängigen Wirtschaftstheorie wird suggeriert, dass erst die Teilhabe am Finanzkapitalismus Wirtschaftswachstum, Investitionen und damit Arbeitsplätze erzeugt.
Das Gegenteil ist der Fall;
immer mehr Geld ist auf den Finanzmärkten auf der Suche nach Renditemöglichkeiten, ohne positive realwirtschaftliche Auswirkungen zu zeigen. Vielmehr werden oft Unternehmen belohnt, die Arbeitsplätze abbauen und damit den shareholder-value erhöhen.
Die Bürgerinnen und Bürger stehen häufig vor einem Dilemma: Nur mit Blick auf die Rendite zu veranlagen kann heißen, den eigenen Arbeitsplatz zu gefährden bzw. die für die meisten Menschen hauptsächliche Existenzgrundlage zu vernichten: Erwerbsarbeit.
Die "Jagd" nach Renditen (auch ethische oder nachhaltige Fonds versprechen diese), die Lust am Geld kann leicht zur Sucht und zum Vergnügen werden. Ändert sich etwas an mir durch den Einstieg ins Geldgeschäft? Habe ich noch dieselben Anforderungen an Soziales und Ökologisches bzw. begnüge ich mich mit Kompromissen oder bleibe ich meiner kritischen Haltung z.B. gegenüber bestimmten Konzernpraktiken, Entwicklungen oder Produkten treu? Oder schärft meine Auseinandersetzung mit Ethik-Investment meinen kirischen Blick? Wie entwickeln sich meine Vorstellungen vom "Guten Leben" weiter?
> weiter mit: "Wie wirken ethische Geldanlagen?"


