Ethisch Handeln
> Wodurch unterscheiden sich verschiedene Rating-Ansätze?
> Wie kommt man zu Ratings?
> Was heißt das in der Praxis, wenn man Geld anlegen möchte?
Wodurch unterscheiden sich verschiedene Rating-Ansätze?
Den verschiendenen Rating-Ansätzen liegen jeweilsunterschiedliche Wertvorstellungen zugrunde und es lohnt sich, diese in ihren wesentlichen Grundzügen zu analysieren.
Es gibt Rating-Ansätze, die entweder soziale, ökologische oder
ökonomische
Fragestellungen berücksichtigen und solche, die versuchen, alle Fragestellungen zu kombinieren.
Letztlich gilt es, einen Rating-Ansatz zu finden, der den eigenen ethischen Grundsätzen am besten entspricht.
Eine wesentliche Unterscheidung liegt also darin, in welchem Ausmaß die Bewertung der ökonomischer Gesichtspunkte in das Gesamtergebnis des ethisch ausgerichteten Rating-Prozesses einfließt.. Einige Ethik-Rating-Ansätze berücksichtigen diese überhaupt nicht, andere messen ihnen mehr oder weniger großes Gewicht bei.
Ein Beispiel für den ersten Ansatz ist das Corporate Responsibility Rating (CRR) der oekom-research AG in München, für den zweiten Ansatz sei der Corporate Sustainability Assessment-Prozess (CSA) der SAM Gruppe mit Hauptsitz in Zürich genannt.
Während das CRR ökonomische Aspekte überhaupt nicht bewertet und mit der Bewertung der Sozial-, Natur- und Kulturverträglichkeit eine Basis für die Finanzanalyse bietet, werden beim CSA soziale und ökologische Aspekte in Hinblick auf deren ökonomische Relevanz hin interpretiert. Im Falle des CSA hat das zur Folge, dass nur jene sozialen und ökologischen Kriterien von Bedeutung sind, die dazu beitragen, den Unternehmenswert zu steigern, jene sozialen und ökologischen Kriterien, die keinen unmittelbaren Einfluss auf die ökonomische Situation haben, bleiben hingegen weitgehend unberücksichtigt.
Die ksoe gibt dem CRR, welches auf der Kriteriologie des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens aufbaut eindeutig den Vorzug. Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden wurde 1993 von einer interdisziplinär besetzten Forschungsgruppe entwickelt. Mehr dazu >
Auf der Basis dieses Leitfadens wird anhand von ca. 250 Einzelkriterien das Verhalten von Unternehmen und Institutionen im Bereich der Sozial-, Natur- und Kulturverträglichkeit analysiert. Vorgegangen wird dabei nach dem "Best-in-Class-Ansatz", bei welchem die ethische Qualität der Unternehmen und Institutionen branchenweise erhoben und in einer branchenspezifischen Rangliste dargestellt wird. Die Ergebnisse dieser Bewertung und das Ranking im Vergleich zur Branchenkonkurrenz werden den untersuchten Unternehmen und Institutionen rückgemeldet. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass zahlreiche Unternehmen sich daraufhin bemühen, ihr Rating zu verbessern. Damit wird nicht nur ein "ethischer Wettbewerb" zwischen den Unternehmen initiiert, sondern auch die Bereitschaft bei Unternehmen gefördert, sich auf einen Dialog mit dem Ziel der Verbesserung ihres unternehmerischen Handelns einzulassen.
Zusätzlich zum Best-in-Class-Ansatz werden so genannte Ausschluss-Themen untersucht, wie etwa die Produktion von Kriegsmaterial, Atomkraft oder Kinderarbeit. Die Liste der Ausschluss-Kriterien ist von den Anbietern ethischer Geldanlageprodukte gestaltbar und bringt damit unterschiedliche Wertepräferenzen zum Ausdruck.

Wie kommt man zu Ratings?
Die meisten Rating-Agenturen erläutern ihre Vorgehensweise ausführlich auf ihrer homepage.
Darüber hinaus gibt es bereits gute Fachliteratur zu den verschiedenen Ratingansätzen.
Die Rating-Ergebnisse bzw Rankings von Unternehmen und Institutionen werden in der Regel nur gegen Gebühr zur Verfügung gestellt. Gute Rating-Agenturen haben aber zumindest Beispiel-Ratings auf ihrer Homepage bereit gestellt. Die KundInnen der Rating-Agenturen sind in der Regel Banken oder Kapitalanlage-Gesellschaften, welche die Rating-Ergebnisse "zukaufen" und als Grundlage für die Entwicklung von ethisch-orientierten Geldanlage-Produkten (z.B. Investmentsfonds) verwenden. Ein Blick auf die Liste der Unternehmen und Staaten, in die dabei investiert wird, kann in der Regel sehr informativ sein.
Was heißt das in der Praxis, wenn man Geld anlegen möchte?
Die Gesprächssituation mit einem Bank- oder einem unabhängigen Finanzberater kann sich mitunter recht schwierig gestalten. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Auffassungen und Einschätzungen, die finanztechnische Fachterminologie erschwert es manchmal zusätzlich, über das "Gleiche" zu reden.
InvestorInnen, die ihr Geld nach ethischen Kriterien anlegen wollen, machen darüber hinaus die Erfahrung, dass ihre GesprächspartnerInnen über diese Form der Geldanlage oftmals nicht viel wissen. Tatsächlich haben auch verschiedene Studien gezeigt, dass die Beratung in Sachen ethischer Geldanlage nicht gerade zu den Stärken der Banken und Finanzdienstleister zählt. Bis auf einige wenige, die sich auf die ethische Geldanlage spezialisiert haten, ist das Wissen darüber gering. Oft wird in den Beratungsgesprächen versucht, auf andere Veranlagungsmöglichkeiten überzuleiten, weil man lieber darüber spricht, worüber man Bescheid weiß.
Für ethisch orientierte InvestorInnen bedeutet das zweierlei:
Einerseits erscheint es sinnvoll, Banken oder Finanzdienstleister für ein Beratungsgespräch zu wählen, welche sich hauptsächlich mit der ethischen Geldanlage beschäftigen.
Andereseits unterstützt es aber auch die Anliegen der ethischen Geldanlage, wenn in der jeweiligen Hausbank Nachfrage dafür signalisiert wird. Kein Unternehmen sieht es gerne, wenn die Kundschaft zu Mitbewerbern wechselt, weil sie nicht entsprechend bedient werden kann - in unserem Fall ihr keine ethischen Geldanlageprodukte angeboten werden können.
Grundsätzlich sollte man sich bei Beratungsgesprächen nicht von vorgefassten Meinungen, Patentrezepten und Fachausdrücken beeindrucken lassen. Es lohnt sich, solange nachzufragen, bis man die gewünschten Informationen in ausreichender Transparenz erhält und sich nicht vorschnell mit oberflächlichen Begriffen und Etiketten ("Wir unterliegen ja ohnehin den strengen Regeln der Bankenaufsicht." etc.) bzw. Ausreden ("Das, was Sie verlangen, gibt es nicht auf dem Markt.") abwimmeln zu lassen. Gute BeraterInnen haben selbst Interesse daran, die Fragen ihrer KundInnen so beantworten zu können, dass diese sich gut beraten wissen. Wenn die Beratung unzureichend ist, sollten Sie nicht davor zurückschrecken, dies auch kund zu tun und sich ggf. an einen anderen Finanzdienstleister zu wenden. Gerade für (in der Regel) längerfristige Geldveranlagungen brauchen Sie ja nicht unbedingt Ihre Hausbank "gleich um die Ecke"..
Eigentum verpflichtet - auch zu einer kritischen Haltung gegenüber angebotenen Dienstleistungen.

