Ethisch Handeln - Special:
Zur Sozialpflichtigkeit von Eigentum und Geld
Immer mehr Menschen ist es nicht egal, was mit ihrem Geld passiert. Sie wollen Produkte oder Produktionsmethoden, von denen sie überzeugt sind, dass sie anderen Menschen oder der Umwelt schaden, nicht mit ihrem Geld finanzieren.
Ihnen ist klar, dass sie durch das Zur-Verfügung-Stellen von Kapital gegen Zinsen oder Gewinnbeteiligung ethisch unverantwortlich agierenden Unternehmungen und das Zustandekommen von Unrechtssituationen fördern können. Geld ist alsonicht wertneutral. Es "arbeitet" auch nicht selbständig bzw. unabhängig, kann sich auch nicht von selbst vermehren. Geld wird vielmehr gegen einen Aufpreis zur Verfügung gestellt.
Immer gibt es dabei neben dem ökonomischen Effekt auch soziale und ökologische Effekte. "Money matters" bzw. "Geld verpflichtet". Wir sind für alles, was sich in unserem Eigentum befindet, verantwortlich - also auch für unser Geld bzw. was damit geschieht.
Dieser Verpflichtungscharakter von Eigentum hat in der christlichen Tradition einen hohen Stellenwert. Nicht erst mit der Sozialenzyklika Rerum Novarum Papst Leos XIII. aus dem Jahr 1891 ist der verantwortungsvolle Umgang mit Eigentum ein zentrales Thema der katholischen Sozialverkündigung. Sowohl im Ersten wie im Neuen Testament finden sich unter den Verweisen auf Gerechtigkeit und Nächstenliebe zahlreiche Hinweise auf die Verpflichtung im Umgang mit Eigentum.
Besonders im Neuen Testament wird der verantwortliche Umgang mit Eigentum in zweifacher Weise aufgezeigt:
Zum einen im Aufruf zur vorrangigen prkatischen Solidarität mit den Armen,
zum anderen - und damit über den Begriff der Solidarität hinausreichend - in der Betonung der Sozialpflichtigkeit von Eigentum.
Eine Solidarität, die der Rolle des Menschen als Sachwalter Gottes und somit Mitschöpfer der Welt gerecht werden soll, erschöpft sich nicht in der gegenwärtigen Generation, sondern schließt zukünftige Generationen mit ein. Das damit gemeinte Konzept der Nachhaltigkeit thematisiert die menschliche Verantwortung für die Schöpfung und verbindet den Grundgedanken der Bewahrung der Schöpfung mit dem einer positiven Weltgestaltung.
In der katholischen Soziallehre finden sich gleich mehrere Hinweise auf die über die Solidarität hinausgehende Sozialpflichtigkeit von Eigentum.
Außer in der bereits erwähnten Enzyklika Rerum novarum finden sich entsprechende Belege vor allem in den Enzykliken
Quadragesimo anno (Pius XI, 1931),
Populorum Progressio (Paul VI, 1967) und
Sollicitudo rei socialis (Johannes Paul II, 1987).
Deutlich formuliert wird die Verantwortlichkeit von Eigentum auch im Wort des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland aus dem Jahr 1997, wenn es darin heißt:
"Wie sich in jüngster Zeit mehrfach gezeigt hat, können von den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten nicht nur stabilisierende, sondern auch destabilisierende Wirkungen auf nationale Volkswirtschaften ausgehen. Die hohen und ständig steigenden Summen, die fortlaufend auf den internationalen Finanzmärkten umgesetzt werden, verweisen auf die Aufgabe, diese Prozesse zu gestalten und der Entwicklung weltweiter Wohlfahrt dienlich zu machen. Eigentum ist stets sozialpflichtig, auch das international mobile Kapital." (Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, Nr. 168)
Aus der Feststellung, dass veranlagtes Geldvermögen sozialpflichtig ist, ergibt sich in einer gemeinsamen Stellungnahme der Schweizer Bischofskonferenz und des Schweizerisch Evangelischen Kirchenbundes aus dem Jahr 2001:
"Schließlich müsste es für alle kirchlichen Finanzhaushalte selbstverständlich werden, die Vermögen umwelt- und sozialverträglich anzulegen, zumal entsprechende Informationen und Anlagemöglichkeiten zur Verfügung stehen und Modelle von kirchlichen Institutionen selbst gefördert werden." (Miteinander in die Zukunft. Wort der Kirchen, Nr. 168)
Deutlich ist auch die im Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich im Jahr 2003 erhobene Forderung nach sozialer und ökologischer Verantwortlichkeit im Umgang mit Geld festgehalten:
"Auch Christen und Christinnen", heißt es darin, "sind aufgerufen, verantwortliches Wirtschaften in ihrem eigenen Lebensbereich umzusetzen und in ihren Geld- und Vermögensveranlagungen auf ethisches Investment zu achten." (>> Sozialwort, Nr. 202)
Hinter all diesen Botschaften steht die Überzeugung, dass Einzelne ebenso wie Institutionen gerechte Wirtschaftsformen mitgestalten und fördern können.

