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AnlegerInnen im Interview zu Ethik-Investment:

Mag. Edwin Matt
Pfarrer in Andelsbuch


Herr Matt, Sie sind Diözesanpriester in Andelsbuch. Warum ist ethische Geldanlage für Sie ein Thema?

Ich bin Diözesanpriester der Diözese Feldkirch und derzeit Pfarrer in der Pfarrgemeinde Andelsbuch. Zu dieser Gemeinde gehören ca. 2.300 Personen. Der größte Teil davon sind KatholikInnen. Eine kleine "Zusatzbeschäftigung" habe ich an der Fachhochschule in Dornbirn. "Spatium" heißt die Einrichtung der "Seelsorge an der FH". Wir bieten Begleitungen an. Wir hören zu und beraten bei persönlichen Krisen, in Konfliktsituationen, bei Sorgen und Ängsten und bei Sinnfragen. Das Spatium ist offen für alle Studierenden und MitarbeiterInnen der FH Vorarlberg und ist eine Einrichtung der Katholischen Kirche Vorarlberg.

Ethische Geldanlage ist für mich schon lange ein wichtiges Thema. Im Zusammenhang mit einer Veranstaltungsreihe des Katholischen Bildungswerkes unserer Pfarre haben wir uns sehr intensiv mit den Themen des fairen Handels, des fairen Wirtschaftens, des fairen Reisens und Einkaufens, auch mit der Geldwirtschaft, alternativen Formen der Anlage und ethischen Fonds u.a.m. beschäftigt. Dabei bin ich auf die Steyler Bank gestoßen, die mir überzeugend die ethischen Kriterien ihres Handelns, Wirtschaftens und der Geldanlage nahe gebracht haben. Herr Andreas Kolde, ein Mitarbeiter der Steyler Bank, war mir dabei ein wichtiger Gesprächspartner.

Aber nun zu allererst: Als Priester habe ich nicht viel Geld zu veranlagen. Wenn ich etwas spare, dann will ich dieses Geld sicher anlgegen und wenn möglich damit noch etwas Gutes und Sinnvolles bewirken. Manchmal erlebe ich mich durchaus im Zwiespalt mit den klaren Forderungen Jesu im Evangelium, auf jeglichen Besitz zu verzichten, und wie Besitz und Geld so hinderlich für das Reich Gottes und für das Leben sind. Dennoch gibt mir ein bisschen Geld, das ich anlege, jene Sicherheit, die mich meinen Dienst entlasteter tun lässt.

Sie haben sich entschlossen, einen Teil Ihres Geldes in Fonds zu investieren. Warum nicht etwa in Direktbeteiligungen oder auf Sparbüchern?

Das Geld, das ich in Fonds anlege, brauche ich nicht unmittelbar und sofort. Da kann ich längerfristig planen. Zudem weiß ich bei Fonds, welche Unternehmen oder Staaten durch meine Geldanlage finanziell bevorzugt werden. Bei anderen längerfristigen Veranlagungsformen sehe ich das nicht so genau bzw. überhaupt nicht.

Wie wichtig ist dabei für Sie Sicherheit bzw. Maximierung des Ertrages?

Die Sicherheit ist für mich sehr wichtig. Zumindest das eingesetzte Kapital will ich wieder bekommen. Wenn ich mit den anfallenden Dividenden noch etwas Gutes tun kann - indem ich einen Teil für Projekte der Steyler spende -, dann ist das auch eine Form der Unterstützung von Missionsanliegen. Da vertraue ich den Verantwortlichen der Steyler Bank. Ich kenne einige Patres dieser Gemeinschaft und bin mit deren Arbeit zumindest etwas vertraut. Ihre Projekte finde ich unterstützungswürdig. Mir gefällt auch der Gedanke sehr gut, dass die Gewinne dieser Bank, über die ich die Fonds erworben habe, weltweiten Hilfs- und Missionsprojekten zukommen.

Für welche Fonds haben Sie sich konkret entschieden? Aufgrund welcher Kriterien ist diese Entscheidung getroffen worden?

Ich habe mich für Öko/Solar Garant, Öko/H20 Garant, den Kepler Ethik Rentenfonds und Superior Ethik Fonds entschieden. Ich habe mir die Produktbeschreibungen durchgelesen, damit ich informiert bin, in welche Entwicklungen und Bereiche mein Geld investiert wird.

Ein Unternehmen, in das der Fonds Öko/H20 investiert, ist der britische Wasserversorger SEVERN TRENT. Das Unternehmen ist jüngst aus dem Natur-Aktien-Index herausgenommen worden, weil Wasserverluste von 27,8% eingeräumt werden mussten und das Unternehmen nicht mehr als zukunftsweisend gilt. GlobalisierungskritikerInnen sehen die Privatisierung der Wasserversorgung als kritisch an, weil Wasser ihrer Meinung nach überhaupt keine Ware sein soll und wir aus den Fehlern der Briten lernen sollten. Spräche das nicht eher dafür, so wie bei Atomkraft oder Rüstung, den Bereich Wasserversorgung überhaupt auszuschließen?

Missbrauch wird wohl nie ganz ausgeschlossen werden können. Aber die Sensibilität ist geweckt und wenn da Dinge aufgedeckt werden, dann kann wieder neu gehandelt und entschieden werden. Da vertraue ich auch auf die Regulierung, die sich dadurch ergibt, dass Unternehmen sich zu derartigen Standards verpflichten. Da ist es dann schon möglich, dass ein derartiges Unternehmen aus der Finanzierung rausfällt oder ein Unternehmen dazulernt.

Zu welchen Überlegungen würden Sie einem angehenden Ethik-Investement-Anleger/ einer Anlegerin raten? Was sollte man/frau auf jeden Fall vermeiden?

Für mich ist die Frage der Sicherheit ein wichtiger Punkt. Auch der Gedanke, dass wir das Geld, das wir nicht zum Leben brauchen, in einer Art anlegen, die ethisch verantwortbar ist (immer wieder mit meinem biblischen Vorbehalt nach Besitzlosigkeit und unserer Verantwortung als ChristInnen, Menschen in Not zu helfen). Ich würde so eine Person zudem ermutigen, die Zinsen bzw. einen Teil davon als Missionsgabe zu verschenken.
In Rüstungsgeschäfte, Ausbeutung der Schöpfung und der Menschen darf nicht mehr weiter investiert werden - das würde ich einer Anlegerin/einem Anleger sagen. Es braucht ein bisschen mehr Zeit, sich zu informieren, aber ich kann damit auch einiges bewirken. Die Gesetze des Marktes gelten ja auch hier sehr stark.

Sie haben Ihre Anteile über die Steyler-Bank, die auf Ethik-Investment spezialisiert ist, gekauft. Warum nicht gleichb ei der Hausbank? Heute bietet doch schon jedes Bankinstitut einen Ethik-Fonds an?

Die Bankinstitute - und das sehe ich als erfreuliche Entwicklung - ziehen jetzt auch nach, weil sie merken, dass Ethik-Fonds bei den Kundschaften nachgefragt werden. Das habe ich bei meiner Hausbank auch gemacht. Für die Steyler-Bank spricht für mich, dass es diesen ausdrücklich christlichen Hintergrund gibt, Missionsprojekte unterstützt werden und ich bezüglich der Zinsen selbst entscheiden kann, welchen Anteil ich als Spende geben will.

Wir danken für das Interview! (30.1.2008)


Mag. Edwin Matt, Pfarrer in Andelsbuch

 

http://pfarre.andelsbuch.at


Weitere Interviews sind in Ausarbeitung!