AnlegerInnen im Interview zu Ethik-Investment:
Mag. Franz Lamprecht -
Finanzkammerdirektor der Röm.-kath. Diözese Gurk-Klagenfurt
Wann hat sich die Diözese Gurk-Klagenfurt zur ausschließlichen Veranlagung ihrer Finanzmittel in ethisch-orientierte Produkte entschieden?
Für die Veranlagungen der Diözese Gurk haben grundsätzlich schon immer Ausschlusskriterien gegolten, wie z.B. Abtreibung, Rüstung, Todesstrafe, Pornografie etc., deren Einhaltung den mit der Vermögensverwaltung beauftragten Banken vorgeschrieben war. Tatsächlich konnten damit aber wohl nur Titel von Unternehmen ausgeschlossen werden, deren Produkte als unethisch einzustufen waren. Weil dieser Ansatz die Komplexität und Dynamik heutigen Wirtschaftens nicht hinlänglich berücksichtigt und die Ethik-Verantwortung zum großen Teil auf die Banken abschiebt, hat unsere Diözese im Jahr 2004 gemeinsam mit der Oekom Research AG München einen umfangreichen Ethik-Kriterien-Katalog entwickelt, der seit 2005 in ein vierteljährlich aktualisiertes Anlageuniversum einfließt. Die Umsetzung des Ethik-Kriterien-Katalogs in die Anlagepraxis erfolgt auf Basis des Frankfurt-Hohenheimer-Leitfadens, der unternehmerisches Handeln auf seine Kultur-, Sozial- und Naturverträglichkeit hin überprüft.
Welche Mittel hat die Diözese zu veranlagen und nach welchen Kriterien geschieht dies?
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Da für Priester keine staatliche Pensionsversicherung besteht, muss der jeweilige Diözesanbischof selbst für die Priesterpensionen verantwortungsvoll vorsorgen. Dies ist keine leichte Aufgabe, weil trotz des späteren Pensionsantrittes die Pensionsphase auch bei Priestern länger, die Vorsorgemöglichkeit aus dem Kirchenbeitrag aber immer enger wird.
Diese Pensionsvorsorge geschieht, wie bei Pensionskassen, in erster Linie durch Veranlagung in Wertpapieren. Neben den Ethik-Kriterien müssen bei der Veranlagung selbstverständlich auch die Grundsätze der Sicherheit, Rentabilität und Liquidität beachtet werden. Darüber hinaus sind Wertpapierveranlagungen auch als Abfertigungsvorsorge vorzunehmen oder als Zwischenveranlagung, wenn Pfarren zur Finanzierung von Kirchen- oder Pfarrhofrestaurierungen Liegenschaften verkaufen müssen.
Für welche Produkte bzw. welche Anbieter haben Sie sich entschieden? Wie ist dieser Prozess gelaufen?

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Aufgrund unserer im hohen Maß auf Sicherheit ausgerichteten Veranlagungspolitik liegt der Aktienanteil am Gesamtportfolio weit unter jenem der festverzinslichen Papiere. Dabei wird sowohl in Einzeltitel wie auch in Fonds investiert. Die Einhaltung der Ethik-Kriterien ist daher auf zweifache Weise abgesichert: Oekom Research München liefert das ethisch ‚geratete' Anlageuniversum, Ethic & Finance Research Diex/Kärnten überprüft in unserem Auftrag die von den Banken getroffenen Anlageentscheidungen, wobei insbesondere die in den Fonds enthaltenen – und oft laufend veränderten – Titel überprüft werden.
Werden die eigenen Kriterien weiterentwickelt bzw. die Veranlagungsstrategie evaluiert?
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Unser Ethik-Kriterien-Katalog ist seit 2005 zu unserer vollsten Zufriedenheit im Einsatz. Allgemein lässt sich feststellen, dass die Sensibilität für Fragen der Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Man kann davon ausgehen, dass aus der damit verbundenen Dynamik neue Ethik-Kriterien entstehen werden. Dabei geht es nicht nur um den Ausschluss unethischer Produkte oder kontroversieller Wirtschaftspraktiken, sondern vor allem um die bewusste Förderung ethisch agierender Unternehmen, etwa in der Entwicklung von Alternativenergien, in der Energieeinsparung oder der Reduktion von Umweltbelastungen.
Gibt es eine diesbezügliche Vernetzung mit anderen Diözesen? Inwieweit gibt es unterschiedliche bzw. gemeinsame Werthaltungen?
Eine Arbeitsgruppe der Finanzkammerdirektoren-Konferenz der österreichischen Diözesen hat vor kurzer Zeit eine Richtlinie für ethisches Investment ausgearbeitet, die demnächst der österreichischen Bischofskonferenz zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden wird.
In Fragen des ethischen Investments gibt es eine gute und konstruktive Vernetzung unter Österreichs Diözesen und Konsens in den entscheidenden Grundsatzfragen. Diskussionsthemen sind eher praktische Umsetzungsfragen, etwa die absolute oder relative Geltung einzelner Ausschluss-Kriterien. Hier geht es um die Frage, ob in einer Branche, bei der Ethikverstöße üblich sind, zugunsten der Vorbildwirkung Titel von den vergleichsweise ‚saubersten' Unternehmen gekauft werden sollen oder nicht.
Welche Chancen sehen Sie, mit ehtisch-orientierter Geldanlage Wirtschaft zukunftsfähig mitzugestalten?
Der Ansatz, ‚unethisches' Handeln von Unternehmen und Branchen dadurch zu ächten, dass sie von der Veranlagung bewusst ausgeschlossen werden, ist durchaus wirksam, wenn er medial unterstützt und von möglichst vielen Anlegern mitgetragen wird. Die stark gestiegene Nachfrage nach Ethik- und Nachhaltigkeitsfonds zeigt, dass es den Anlegern nicht egal ist, wie die Performance verdient wird.
Dazu kommt, dass sich ethisches Investment im Ertrag durchaus lohnt. Der Focus der Gesellschaft auf ethische Fragen und die steigende Nachfrage nach ethischen Veranlagungen wird – so hoffe ich – auch die Unternehmen bewegen, ihr Handeln zu überdenken und hoffentlich auch zum ethisch Positiven hin ändern.
Wir danken für das Interview! (10.9.2007)
Mag. Franz Lamprecht,
seit 2004 Leiter der Bischöflichen Finanzkammer der Diözese Gurk
Werdegang:
Universitätsassistent (Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, Universität Innsbruck),
Raiffeisen-Organisation Kärnten (Personalmanagement, Marketing, Organisation),
Diakonie Waiern/Kärnten (Kaufmännischer Leiter)
Finanzkammer der Diözese Gurk/Klagenfurt
Mariannengasse 2, 9020 Klagenfurt, Telefon 0463/57770-1901
www.kath-kirche-kaernten.at
fk.direktionATkath-kirche-kaernten.at
Weitere Interviews sind in Ausarbeitung!
