AnlegerInnen im Interview zu Ethik-Investment:
Stefan Schachamayr -
selbständiger Organisations- und IT-Berater
SocialSoft, Tulln
Herr Schachamayr, Sie sind Unternehmer, der auch im Bereich CSR-Beratung tätig ist. Was motiviert Sie, sich über die Verwendung Ihres Geldes nach ethischen Kriterien Gedanken zu machen? Was ist Ihr persönlicher Hintergrund? Welche Anliegen sind Ihnen wichtig?
Der Umgang mit Geld ist mir seit meiner Jugendzeit, als Maturant einer Handelsakademie, sowie durch meine langjährige Tätigkeit als EDV-Fachmann und -Führungskraft im Bankenumfeld sehr vertraut. So stellte sich immer auch die Frage für mich, wie meine erworbenen Kenntnisse auch in anderer Weise, in kritischer Auseinandersetzung mit Wirtschaft und Gesellschaft, anwendbar sind.
Es ist nach meiner Einschätzung evident, dass große entwicklungs-politische, soziale und ökologische Herausforderungen auf uns zukommen. Mit Investitionen in die nachhaltige Ressourcen-Nutzung, in alternative Produkte, in Bildung und in die gerechte Verteilung von Lebensgrundlagen für alle können Beiträge zur Bewältigung dieser Herausforderungen geleistet werden.
Aufgrund meiner Vernetzung und Verstrickung, einerseits im ganz privaten und andererseits im globalen Sinn, gibt es für mich kein Patentrezept für richtiges Handeln bzw. für einen einzig richtigen Umgang mit Geld. Daher halte ich es für ganz wichtig, dass alle einschlägigen Finanzinstitutionen ihre Bemühungen offenlegen und durchaus auch ihre Grenzen aufzeigen. Dieser "Wettbewerb im Guten" wird langfristig, so hoffe ich, den gesamten Finanzmarkt beeinflussen.
Sie haben Geld bei der Steyler-Bank in "herkömmlichen" Sparformen angelegt. Warum haben Sie dieses Instrument gewählt? Wie können damit Ihre Vorstellungen von menschengerechtem Wirtschaften konkret am besten umgesetzt werden?
Die Steyler Bank spricht mich mit ihren Sparformen deswegen an, weil sie mit dem herkömmlichen Bankgeschäft innovativ umgeht. In der Anlageberatung werden ethische Gesichtspunkte integriert, und mit der Investition des Spargelds in gut ausgewählte Wirtschaftszweige werden Gewinne erzielt.
Allerdings werden die Gewinne nicht an Eigentümer ausgeschüttet, sondern sie fließen in soziale und seelsorgliche Projekte. So wie das Geldgeschäft allgemein auf Vertrauen aufbaut, beruht auch meine Investition auf dem Vertrauen, dass die Steyler Ordensgemeinschaft in spezifischer Form zur Veränderung und Verbesserung der Welt beiträgt.
Die einzelnen Sparformen bieten dann noch die Möglichkeit, den je eigenen Gewinn in freier Entscheidung zu teilen. Das ist ebenfalls eine gute Idee, denn damit wird das Teilen mit nicht so wohlhabenden Menschen positiv angeregt und dafür eine weltumfassende Infrastruktur geboten.
Sie haben sich auch für die Veranlagung in Mikro-Krediten bei Oikocredit entschieden. Warum?
Die Idee der Mikro-Kredite bei Oikocredit fasziniert mich, weil hier wiederum eine Alternative zum Bankengeschäft geboten wird. Oikocredit versucht mit der Genossenschaftsstruktur, die Mitbestimmung der InvestorInnen und der KreditnehmerInnen zu fördern und limitiert sogar die individuellen Gewinne auf 2%.
Bei Oikocredit spielen jahrzehntelange Erfahrungen im "Geldverleihen" an benachteiligte Bevölkerungsgruppen im Süden mit. Die nachgewiesene Sicherheit von Investitionen in Oikocredit hängt direkt mit der Solidarität von armen Menschen untereinander zusammen. Diese erhalten mit einem Kredit einen Zugang zur Wirtschaft, nützen die Chance zur Selbsthilfe und zahlen im Allgemeinen das Geld auch wieder zurück.
Ich schätze weiters die Ausrichtung von Oikocredit, mittels regionaler Förderkreise zur Bewusstseinsbildung im Norden beizutragen. Dieser Bildungsauftrag verbindet Oikocredit mit den Bemühungen vieler anderer NGOs im entwicklungspolitischen Bereich.
Spielt für Sie in der Beratungstätigkeit von Unternehmen und Organisationen im Bereich CSR auch die Veranlagung von Mitteln nach ethischen Kriterien eine Rolle?
Ethik-Investments spielen in meiner Beratungstätigkeit derzeit noch eine kleine Rolle. Das hängt auch damit zusammen, dass manche Betriebe bzw. Institutionen nicht sehr viele Mittel zur Verfügung haben. Das CSR-Konzept bietet aber naturgemäß vielfältige Möglichkeiten, ethische Kriterien im wirtschaftlichen Tun zu integrieren. Ich gehe daher eher den indirekten Weg, nämlich zuerst grundsätzliche Organisationsfragen und Werthaltungen anzusprechen, um in späterer Folge vielleicht auch die Mittelveranlagung nach ethischen Kriterien zu erfassen.
Jedenfalls aber sehe ich meine Verantwortung als CSR-Berater darin, über die vielfältigen Möglichkeiten auf dem Geld-/Ethik-Segment grundsätzlich Bescheid zu wissen.
Welchen Rat würden Sie jemandem mitgeben, der oder die sich erstmals auf den Weg einer ethischen Geld-Veranlagung macht?
Ich würde raten, die eigene Erfahrung und persönliche Vorlieben zu berücksichtigen. Menschen, die beispielsweise einen starken Umwelt-Bezug haben, sollten zuerst mal im Öko- bzw. Energiebereich neue Anlage-Möglichkeiten suchen. Für andere werden wiederum eher soziale Kriterien wichtig sein, weil sie die Notlage von Mitmenschen besonders gut verstehen können. Die kirchennahen Institutionen wiederum bieten ein globales Netzwerk für alle, die auch den religiösen Bezug suchen.
In Summe werden alle Veranlagungsprodukte, die unsere Gesellschaft zukunftsfähig erhalten, passend sein. Am Angebot scheitert es daher sicher nicht!
Wir danken für das Interview! (6.11.2007)
Stefan Schachamayr
selbständiger Organisations- und IT-Berater
Werdegang:
- verschiedene Tätigkeiten im EDV- und Bankenumfeld
- Leitung, Organisation und Begleitung von Projekten und Veränderungsprozessen
- Ausbildung und langjährige Praxis in EDV-Entwicklung, Personalmanagement, Projektmanagement
- seit 2004 selbständig
- Absolvent der "Wiener Theologischen Kurse"
- Vorstandsmitglied im Entwicklungshilfeklub
- Mitglied der CSR-Consultants Experts-Group in der Wirtschaftskammer Österreich
verheiratet, drei Kinder
SocialSoft
Etzelgasse 9, 3430 Tulln an der Donau
Telefon: +43 664 510 13 28
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Email: stefanATsocialsoft.eu
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