|
Diskussion zur Verteilungsgerechtigkeit:
1 Milliarde für die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit weltweit oder 1 Milliarde für 10 Personen (verfasst von: Peter Gach)
1. EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso kündigte beim UNO-Gipfel über die Millenniumsziele an, dass die EU 1 Milliarde Euro aus dem Europäischen Entwicklungsfonds zur Verfügung stellen wird, um den Hunger in den ärmsten Ländern der Welt bis 2015 zu halbieren. Mit dem Geld sollen vor allem jene Ziele erreicht werden, von denen die Weltgemeinschaft noch am weitesten entfernt ist. Das sind die Ziele vier und fünf, nämlich die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit. (1)
2. Mega-Abfindung für obersten Chef der Bank Austria. 40 Millionen (Euro) für gefeuerten Banker. In: ÖSTERREICH, 23.9.2010, S. 8.
In einer Tabelle auf derselben Seite in ÖSTERREICH werden die 10 höchsten Millionen-Abfertigungen für Manager aufgelistet:
263,0 Millionen Euro für Lee Raymond (Exxon, USA)
160,0 Millionen Euro für Hank McKinnell (Pfizer, USA)
158,0 Millionen Euro für Robert Nardell (Home Depot, USA)
141,0 Millionen Euro für Richard Grasso (Börsen-Boss, NY, USA)
132,0 Millionen Euro für Bruce Karatz (KB Home, USA)
120,0 Millionen Euro für Stanley O'Neal (Merrill Lynch, USA)
50,0 Millionen Euro für Wendelin Wiedeking (Porsche, D)
40,0 Millionen Euro für Alessandro Profumo (UniCredit, I)
25,0 Millionen Euro für Thomas Middelhoff (Bertelsmann, D)
11,6 Millionen Euro für Ron Sommer (Telekom, D)
= 1.100,6 Millionen Euro für insgesamt 10 Personen! (2)
Dem gegenüber stehen
1.000,00 Millionen Euro für die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit weltweit!
Da muss man sich doch fragen:
1. Wieso schlucken wir das einfach? Menschen, die einer ehrlichen Arbeit nachgehen, müssen sich doch verhöhnt fühlen, wenn einige wenige Manager derart monströse Abfindungen (oder wie immer man das nennen möchte) erhalten, während sie selbst vergleichsweise mit einem monatlichen Taschengeld auskommen müssen?
2. Wieso steigen die Erwerbstätigen nicht gegen diese aberwitzigen Abfindungen von Giermanagern auf die Barrikaden und beneiden stattdessen Menschen, die keine Arbeit (mehr) haben, um die Mindestsicherung, die zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig ist?
3. Wen sind Abfindungen für zehn Manager mehr wert als die Senkung .der Kinder- und Müttersterblichkeit weltweit?
4. Geht da die Neiddebatte nicht in die falsche Richtung?
5. Was tickt da nicht richtig in unseren Hirnen?
6. Das Geld, das zehn Manager auch dann bekommen, wenn sie Schaden verursachen, Unheil anrichten oder gar erfolglos sind, fehlt dem Staat - also uns allen - und natürlich auch dem Sozialsystem. Wieso platzt da niemandem der Kragen?
Quellen:
(1) Millenniumsgipfel: EU sagt eine Milliarde Euro zu (21.9.2010)
(2) Uni-Credit-Boss: 40 Mio. für Abgang. Banker Alessandro Profumo casht ab: Er erhält 40 Millionen Euro als Abfindung (23.9.2010)
Generationenvertrag sozial gedacht
Hier werden Diskussionsbeiträge
aus der Netzwerktagung veröffentlicht:
Beitrag von Lukas Wurz, Grüne: lukas.wurz@gruene.at bzw. 0043 1 40 110-6886
Beitrag zum Generationenvertrag der Katholischen Arbeiter/Innenbewegung Österreichs - download >
Beitrag von Lieselotte Wohlgenannt, ksoe - download >
Beitrag von Friedrich Macher,
Wirtschaftsforum der Führungskräfte - download >
Beitrag von Dietmar Köhler - download >
Grundeinkommen
und Leistungsdiskurs
Diskussionsbeiträge von Mitgliedern des Netzwerks Grundeinkommen
und sozialer Zusammenhalt
- Erich
Kitzmüller, Nov. 03
Das Unbedingte Einkommen und der Leistungsdiskurs
Das Unbedingte Einkommen vulgo Grundeinkommen (=GE), als Ziel
des Handelns verstanden, hat mit keiner Variante des Leistungsdiskurses
auch nur das Geringste zu tun - schon der Begriff zeigt das an.
Aber zum Handeln gehören neben dem Ziel auch die Wege, die Auseinandersetzung
mit Konkurrenten, vorläufige Bündnisse und Kompromisse. Das geht
nicht ab ohne Auseinandersetzung mit Akteuren, für die der Leistungsdiskurs
in einer der Varianten selbstverständlich oder doch zentrales
Propagandainstrument ist.
Dazu vier Überlegungen.
1. Eine unentbehrliche Akteursgruppe kann das Ziel GE nur mittragen,
wenn es zur Rettung der Arbeitsgesellschaft beizutragen verspricht.
Hier lautet das Argument: Das GE befähigt Menschen, die das wollen
oder müssen, sich besser in die Arbeitsgesellschaft einzubringen,
und es ist der geignetere Weg, mit restlicher Arbeitslosigkeit
umzugehen. Mehr Gemeingüter! Und auf dem Weg dorthin ist das GE
ein primäres, unentbehrliches Gemeingut.
2. Eine andere Akteursgruppe - die genuinen "Unbedingten" - sieht
das GE als Teil einer Systemänderung. Im Kontrast zur kränkelnden
Arbeitsgesellschaft werden Menschen für sich und andere tätig,
ohne sich dabei auf Leistungen nach Art der Arbeitsgesellschaft
(die sogenannte Erwerbsarbeit = Profitarbeit) auszurichten. Hier
lautet das Argument: Wir lassen uns die Unbedingtheit nicht ausreden,
aber auf dem Weg dorthin ist eine prekäre Doppelexistenz - hier
eigenbestimmtes Tun, dort Leistung nach Art der Arbeitsgesellschaft
- unvermeidlich.
3. Als Individuen sind Akteure im allgemeinen darauf dressiert,
jede Institution, also auch das Grundeinkommen unter dem Gesichtspunkt
der individuellen Nutzenmaximierung zu bewerten. Die üblichen
Ziele: a) Überleben, b) Bereicherung, c) Vorteile gegenüber anderen
(= die mimetische Konkurrenz) werden unter der Peitsche des zu
geringen oder ausbleibenden Erwerbseinkommens mit systemgemäßen
Leistungen verfolgt. Hier lautet das Argument: a) GE sichert dein
Überleben besser - und das aller anderen auch; b) Bereicherung
ist "für dich" und für viele in der Arbeitsgesellschaft nicht
zu erlangen; c) wenn du mit anderen das tust, was für euch richtig
ist, dann gewinnt Ihr Selbstbewusstsein und Anerkennung.
4. Eine fundamentale Lebensangst maskiert sich als Forderung nach
Leistung: a) ohne die Peitsche des Mindererwerbs funktionieren
die Leute nicht; b) ohne Leistung in der Profit- und Arbeitsgesellschaft
kann nichts, auch das GE nicht, finanziert werden. Hier lautet
das Argument: a) Viele, vielleicht die meisten für die meiste
Zeit, werden ein (höheres) Erwerbseinkommen vorziehen, aber alle
vergrößern ihre Chance, auszuwählen was und wie sie leisten
wollen; b) ohne Erträge, ohne Profitarbeit kein GE, aber auf der
Grundlage einer allgemeinen Absicherung (und vielfältiger Angebote
an Gemeingütern) können Fehlentwicklungen (auch unnötige Bereicherung)
politisch und kulturell verringert werden. Zumindest in OECD-Land
sind wir schon jetzt reich genug für das Unbedingte Einkommen.
BIEN\UE-Leistung-311
- Dietmar
Köhler
LEISTUNG ! - LEISTUNG ??
Allgemeingültigkeit hat der Begriff "LEISTUNG" nur im Bereich
der Physik: LEISTUNG = ARBEIT je ZEITEINHEIT oder :
ARBEIT = LEISTUNG x ZEIT. Nur im Bereich der Physik ist LEISTUNG
messbar - und zwar für alle mit dem gleichen Ergebnis! LEISTUNG
ist ein quantitativer Begriff; die Frage nach Qualität bleibt
ausgeblendet. In allen anderen Bereichen (Sozialbereich, Wirtschaft,
etc.) bleibt der Begriff LEISTUNG vage und gibt Anlass zu verschiedenen
Deutungen.
Damit ergeben sich folgende Fragen:
Wer definiert LEISTUNG? (Definitionsmacht)
Wer definiert NICHTLEISTUNG? (Exklusionsmacht)
Wer definiert LEISTUNGSFÄHIGKEIT? ("Leistungsträger" vs. "Sozialschmarotzer")
Wer definiert LEISTUNGSVERGÜTUNGEN? (Entlohnung, Anerkennung,
etc.)
Wer definiert die Höhe der LEISTUNGSVERGÜTUNG? (Höchstes vs. niedrigstes
Einkommen, etc.)
Wer stellt die "Werkzeuge" zur Erreichung von LEISTUNG zur Verfügung?
(Bildung, Betreuung, etc.)
Wie werden VORLEISTUNGEN vergütet? (Vererbtes Wissen, Vermögen,
Naturressourcen, etc.)
Vorschlag: Um eine möglichst wertneutrale Diskussion zu führen
sollte der Begriff "LEISTUNG" durch den Begriff "TÄTIGKEIT" ersetzt
werden (man spricht z.B. von "ehrenamtlicher Tätigkeit"). Der
Begriff LEISTUNG impliziert nämlich die (vorschnelle) Anerkennung
der Erreichung von Zielen, die nicht für alle verbindlich sein
können. Er ist also auch aus demokratiepolitischer Sicht gefährlich.
- Rudolf
Mletschnig
Ausgangspunkt: Die Einführung eines Grundeinkommens unabhängig
von Arbeit und sonstigem Einkommen bedeutet eine soziale Intervention,
die zentral die aktuellen Modelle von Arbeit und Einkommen berührt.
Für die empirische Erforschung der Auswirkungen (z.B. am Arbeitsmarkt)
existieren bereits Design und Instrumente.
Einkommensmodell: Ein Grundeinkommen ändert das aktuelle Einkommensmodell
im Sinne der Unabhängigkeit von Arbeit (= leistungs(un)abhängiges
Einkommen) und Einkommen (= ergebnis(un)abhängiges Einkommen).
Ein daraus resultierendes Einkommensmodell kann/muss drei Formen
von Einkommen kombinieren: A) leistungsunabhängige Einkommen (Grundeinkommen
etc.), B) leistungsabhängige Einkommen (Erwerbseinkommen) und
C) Einkommen, die von den Ergebnissen von Leistungen abhängig
sind.
Ein ergebnisabhängiges aber leistungsunabhängiges Einkommen liegt
dann vor, wenn der erzielte Gewinn an den Leistungserbringern
vorbei an "Aktionäre" ausgezahlt wird. Forschung: Im Sinne einer
Vermeidung von rein ideologischen Diskussionen über Sinn, Höhe
und Auswirkung des Grundeinkommens sollte empirische Forschung
gesetzt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Dazu ist es (nur) nötig, das Grundeinkommen im Sinne des Einkommensmodells
als Teil der Einkommenssplittung zu beobachten, dann kommen (auch
als Prozess) mindestens drei Varianten in Frage:
A) temporäre Splittung von Einkommen (wird bereits z.B. vom AMS
in Form von Beihilfen durchgeführt),
B) allgemeine Splittung von Einkommen die schließlich
C) als existenzsicherndes Grundeinkommen eingerichtet werden.
Welche Kombinationen der Einkommensarten welche Auswirkungen zeigen,
könnte empirisch nachweisbar (beobachtbar, diskutierbar) gemacht
werden. Es würde sich nach bisherigem Wissen zeigen, dass im Sinne
der Menschenrechte, der Nachhaltigkeit, der Wirtschaft, des Zugangs
zum Arbeitsmarkt etc. mit einem (existenzsichernden) Grundeinkommen
die besten Ergebnisse erzielt werden könnten. Evaluations-Design & Monitoring >>
- Margit
Appel
Ich
bin eine Leistungsträgerin!
Anmerkungen
zur nächsten Steuerreform-Runde
Wenig
ist für die nächste Runde der Steuerreform, die mit
Jänner 2005 kommen soll, schon ganz fix. Klarer ist, wer
von dieser zweiten Etappe der Steuerreform profitieren soll:
die "Leistungsträger".
Das stimmt erfreut, können doch ausgesprochen viele Menschen
in Österreich für sich in Anspruch nehmen, ein hohes
Maß an Leistung zu erbringen.
Zum
Beispiel die zunehmende Zahl jener, die mehrere Jobs brauchen,
um ein Einkommen an der Grenze der Existenzsicherung zu erreichen.
Oder die Hälfte der unselbständig erwerbstätigen
Frauen, die nicht mehr als 1.500 Euro brutto im Monat verdienen
und darüber hinaus für Haushalt und Kindererziehung
zuständig sind. Oder jene, die ihnen zustehende Sozialhilfe
nicht in Anspruch nehmen und sich mit Gelegenheitsjobs und Schwarzarbeit
über Wasser halten.
Auch
ich hatte mir Hoffnungen gemacht, als Leistungsträgerin
gelten zu können. Ich gehe einer - wie ich meine - gesellschaftlich
sinnvollen Tätigkeit nach, für die ich 25 Stunden
in der Woche bezahlt werde und wofür ich selbstverständlich
meinen steuerlichen Verpflichtungen nachkomme. Ich versteuere
meine geringen zusätzlichen Einkünfte aus Vortrags-
und Seminartätigkeit und arbeite ehrenamtlich. Haus- und
Konsumarbeit erledige ich ohne Unterstützung bezahlter
Kräfte. Meide beiden Töchter versuche ich so intensiv
wie möglich zu begleiten. Dabei stelle ich auch mein Allgemeinwissen
für ihren schulischen Bedarf reichlich zur Verfügung.
Zunehmend komme Pflegeaufgaben gegenüber meinen Eltern
dazu.Freundinnen und Freunde können auf mich zählen.
Leider musste ich zur Kenntnis nehmen, dass diese Leistungen
nicht ausreichen, um mich zu einer "Leistungsträgerin
zu machen. Dazu fehlt mir nämlich die wesentliche Voraussetzung:
ein Jahreseinkommen von zumindest 50.000 Euro.
In
den letzten Wochen ist der Begriff "Leistungsträger"
immer dann in Interviews zu hören, wenn es um "Entlastung"
im Rahmen der Steuerreform geht. Von höchster ministerieller
Stelle wird dabei definiert, dass "Leistungsträger"
jene seien, die "50.000 Euro aufwärts verdienen und
den Spitzensteuersatz von 50 Prozent zahlen müssen, jedenfalls
aber auch viele andere". (Format 44/03 vom 31.10.03)
Gutwillig
interpretiert kann die Gleichsetzung von "Leistungsträger"
mit Einkommen von über 4.000 Euro monatlich ein Zeichen
mangelnder Sensibilität gegenüber jenen sein, die
viel leisten und trotzdem wenig verdienen. Zunehmend verstärkt
sich aber der Eindruck, dass dieser Begirff strategisch bewusst
und um den Preis der Ausgrenzung der Wenigerverdiener eingesetzt
wird, um die "Politisch relefanten" Zielgruppen zu
erreichen. der Nachgeschmack, den die Verwendung dieses Begriffes
hinterlässt, wird immer bitterer: Warum nur kommen die,
die aufgrund ihres geringeren Einkommens keine Leistungsträger
im obigen Sinn sind, in den politischen Debatten plötzlich
als "Besitzstandswahrer" zu zweifelhaften Ehren? Warum
nur nimmt die Pflicht, die Erbringung gesellschaftlicher Leistung
nachzuweisen, mit der Höhe des Einkommens immer mehr ab?
- SAGEN
SIE UNS IHRE MEINUNG
>>

|

|