Newsletter Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt
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> Newsletter Juni 2010 - 7.

Sozialprojekt "Zukunft für alle"

Am Dienstag, dem 1. Juni 2010, waren Traude & Michi (Augustin) und Peter Gach (Gutes Leben für Alle) als Teilnehmer einer Delegation der Armutskonferenz in Kapfenberg, wo wir das Sozialprojekt "Zukunft für alle" besuchten. Zuerst gab es einen Empfang im Rathaus von Kapfenberg, wo uns die Bürgermeisterin Brigitte Schwarz und einige ihrer Mitarbeiter und Mirarbeiterinnen das Projekt ausführlich beschrieben haben.

Je mehr wir über das Projekt und daran angeschlossene Angebote erfuhren, desto wunderlicher erschien vor allem uns Betroffenen das alles, denn es unterscheidet sich so grundlegend von allen anderen ähnlichen Projekten, weshalb eine Bezeichnung wie "Schlaraffenland für Hockenstade" naheliegend erscheint. Die Bürgermeisterin beschrieb mit einfachen Worten wie das Projekt entstanden ist und schon da wurde deutlich, dass es nicht nur engagierter Einzelpersonen bedarf, um solche Projekte realisieren zu können, sondern auch glücklicher Umstände und einer möglichst breiten Unterstützung, angefangen von einem dort ansässigen Betrieb bis hin zu privaten Spenden. Eine Rolle spielt auch die Geschichte der Gemeinde Kapfenberg als Industriestandort mit ihren ca. 22.000 Bewohnern und Bewohnerinnen und das Projekt ist für diese Größenordnung geradezu ideal angelegt. So wünschenswert es ist, wenn "Zukunft für alle" Vorbild für möglichst viele ähnlicher Projekte sein sollte, so ist doch zu bedenken, dass es woanders sicher nicht 1 : 1 umgesetzt werden kann. Wohl aber können etliche Aspekte den örtlichen Besonderheiten entsprechend übernommen bzw. angepasst werden.

Beispielhaft ist aber der Zugang der sozialdemokratischen Bürgermeisterin zum Thema Armut, die weltoffene und menschenfreundliche Herangehensweise an ein Thema, das gemeinhin eher verdrängt wird, und das trotz enormer Widerstände in der eigenen Bevölkerung und der Gegnerschaft der anderen politischen Parteien. Sehr deutlich wurde aber auch der Zusammenhang zwischen der Idee einerseits und der Unterstützung durch ein Team von gleichgesinnten Personen, was die Entstehung und den Erfolg eines solchen Projekts ja erst möglich macht. So kann festgestellt werden, dass innerhalb von wenigen Jahren ein ungewöhnliches Projekt nicht nur ins Leben gerufen worden ist, sondern mit der Zeit auch sehr wichtige und sinnvolle Erweiterungen erfahren hat.

Dazu gehört ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit finanziellen Problemen dabei zu helfen, ihre Schulden abzubauen, ohne dass sie dabei zu kurz kommen und dass ihnen womöglich außer Zahlungen nichts mehr zum Leben übrig bleibt. Ein anderes bemerkenswertes Projekt ist die Möbelbörse, die nur gebrauchte Möbel übernimmt, die auch tatsächlich brauchbar sind und wo Betroffene eine komplette Wohnungseinrichtung für sage und schreibe 200 Euro erhalten können. Das ist aber noch lange nicht alles: Die Möbelbörse wird ausschliesslich von Ehrenamtlichen betrieben, die sonst tageweise berufstätig sind, trotzdem werden so im Schnitt 52 Wohnungen von Menschen mit wenig Geld pro Jahr eingerichtet. Beim Räumen und Einrichten von Wohnungen helfen dann auch noch mehrere Leute mit, u.a. auch Langzeitarbeitslose und Sozialhilfebezieher, die so ein wenig dazu verdienen können.

Und auch was das AMS betrifft, läuft in Kapfenberg alles ein wenig anders ab als anderswo, denn es gibt durchaus positive Reaktionen der örtlichen AMS-Geschäftsstelle im Zusammenhang mit stundenweiser Beschäftigung von Menschen, die nicht mehr 40 Stunden pro Tag arbeiten können.

Was mir besonders wohltuend aufgefallen ist: Es gab kein böses Wort wegen Sozialmissbrauch, keine Schuldzuweisung wegen angeblich selbst verursachter Armut, auch nicht im Zusammenhang mit Spielen und Sucht, kein Schielen auf den Posten der Bürgermeisterin nach der nächsten Wahl, wie man es sonst von Politikern und Politikerinnen gewohnt ist.

http://www.kapfenberg.at/system/web/sonderseite.aspx?menuonr=220447074&detailonr=220447074

http://sozialmarie.org

 

 

 

 

 

 

 

38_7/
Juni 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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